Bővebb ismertető
Romain Rolland. An Kreuzwegen
Bei keinem andern großen Musiker wie bei Händel tritt die Unmöglichkeit so zutage, das Wesen seiner Kunst auf eine oder selbst auf mehrere Formeln der Definition zu bringen. Obgleich er schon sehr früh (viel früher als Johann Sebastian Bach) dazu gelangte, den Stil zu meistern, hat er sich doch nie auf eine bestimmte Form in seiner Kunst beschränkt. Es hält sogar schwer, seinen Entwicklungsgang als einen von Bewußtheit und Überlegung gelenkten aufzufassen. Er gehörte nicht zu jenen, die nur einen Weg verfolgen können, auf dem sie immer geradeaus ansteigen, bis sie am Ziel angelangt sind. Wohl kennt auch er nur ein Ziel: das, was er macht, gut zu machen. Dorthin aber führen ihn alle Wege. Von seinen ersten Schritten an hält er sich am liebsten an Kreuzwegen auf, von hier aus beherrscht er das Land, von hier aus kann er sich nach allen Seiten wenden, er, der sich nirgends festlegen will. Er gehört nicht zu denen, die dem Leben und der Kunst den Willen des Idealisten aufzwingen, des leidenschaftlichen oder geduldigen Idealisten, er gehört auch nicht zu jenen, die in das Buch des Lebens die Formel ihres Lebens einschreiben. Sein Genie trinkt das allumfassende Leben, es assimiliert sich ihm. Sein künstlerischer Wille ist von klarer Objektivität; er paßt sich den tausend Wahrnehmungen der fließenden Erscheinung an, der Nation, mit der er, der Zeit, in der er lebt, ja selbst der eben herrschenden Mode; er findet sich mit den Einflüssen und mit dem Zwang der Hindernisse ab; er geht Verbindungen ein mit fremden Stilen und fremden Gedanken. So groß aber ist die Kraft dieser Natur, Fremdes sich zu assimilieren, so vollkommen ist ihr Gleichgewicht, daß diese Natur selbst niemals verschlungen werden kann von der Vielheit der fremden Elemente, vielmehr ist sie es, die sogleich alles sich einordnet, sich angliedert. Dieser weltweite Geist gleicht einem Meere; alle Ströme der Schöpfung vermögen weder seinen Durst zu stillen noch seine göttliche Heiterkeit zu trüben.