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Vorwort
Seit dem Erscheinen meiner Geschichte der Malerei in der Sammlung Göschen sind 10 Jahre verflossen. Ich hatte der Aufforderung des Verlegers damals Folge geleistet, weil ich das, was er zu haben wünschte, leicht zu liefern vermochte. Denn ein größeres Werk lag nahezu fertig in meinem Schreibtisch und war, wie ich glaubte, nicht gefährdet, wenn ich einen Auszug an Göschen schickte. Doch wie das öfter so geht: als die Bändchen gedruckt waren, fand ich, daß ich mich mehr verausgabt hatte, als im Interesse des größeren Buches gut war. Das Résumé war gegeben, und was ich nicht publiziert hatte, kam mir belanglos vor neben dem Extrakt, den Göschen erhalten hatte. So blieb das Buch Manuskript. Erst der Antrag des Herrn Grethlein veranlaßte mich, wieder an die Arbeit zu gehen.
Die Kunstgeschichte steht nun zurzeit an einem wichtigen Wendepunkt. Denn das, was früher so hieß, war eigentlich Künstlergeschichte. Man erzählte die Biographien der Meister, reihte ihre Werke aneinander, bedachte jeden einzelnen mit einer mehr oder weniger zutreffenden Charakteristik. Doch von dem, was der Ausgangspunkt aller kunstgeschichtlichen Betrachtungen sein sollte, war nur selten die Rede: ich meine von den großen Stilwandlungen, die sich im Laufe der Jahrhunderte vollziehen. Was nennen wir Stil? In der Kunst ist Stil das nämliche, was im Leben die Mode ist: jenes allmächtige Etwas, das sämtlichen Erzeugnissen einer Zeit den Stempel aufprägt. Man kann von jedem Hut und jedem Frack mit ziemlicher Sicherheit sagen, wann sie getragen wurden. Ganz ebenso hat jedes Bild seinen Taufschein. Alles ist auf die gleiche Note gestimmt, was innerhalb der gleichen Geschmacksphase im Süden wie im Norden entsteht. Freilich vergeht eine gewisse Zeit, bis ein Hutmodell, das in Paris kreiert wird, in die Provinz gelangt. Ebenso kommen neue Stilformen in den verschiedenen Ländern nicht ganz gleichzeitig, sondern da früher, dort später zur Herrschaft. Ja, gewisse Hüte, die in Paris getragen werden, sind anderwärts überhaupt nicht möglich. Sie müssen sich eine Um-fassonierung gefallen lassen, eine andere, dem andern Ortscharakter
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