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Helmut Strizek - Geschenkte Kolonien [antikvár]
 
Zur Einführung Wenn Imana, der Herr der Welt, sein Tagwerk irgendwo auf dem Erdenrund vollbracht hat, kehrt er abends in das schöne Ruanda zurück, um sich auszuruhen. (Ruandische Legende) Am 2. Februar 1900 traf der aus dem Elsass stammende katholische Bischof Jean-Joseph Hirth vom Afrikamissionsorden der »Weißen Väter« am Hof des ruandischen Königs Yuhi V. Musinga mit der Absicht ein, diesem Landstrich die Botschaft von der christlichen Nächstenliebe zu vermitteln. Im Sommer 1994 schien Gott zusammen mit den europäischen...
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Zur Einführung Wenn Imana, der Herr der Welt, sein Tagwerk irgendwo auf dem Erdenrund vollbracht hat, kehrt er abends in das schöne Ruanda zurück, um sich auszuruhen. (Ruandische Legende) Am 2. Februar 1900 traf der aus dem Elsass stammende katholische Bischof Jean-Joseph Hirth vom Afrikamissionsorden der »Weißen Väter« am Hof des ruandischen Königs Yuhi V. Musinga mit der Absicht ein, diesem Landstrich die Botschaft von der christlichen Nächstenliebe zu vermitteln. Im Sommer 1994 schien Gott zusammen mit den europäischen Priestern und Pastoren aus dem Land geflohen zu sein. Das Land war während der Endphase eines vierjährigen Bürgerkriegs, in dessen Verlauf die Tutsi-Bevölkerung Opfer eines Völkermords wurde, zur Hölle auf Erden geworden. Die internationale Staatengemeinschaft gab sich erschüttert, schaute dem Treiben aber nur zu. So war es schon 1972 gewesen, als im ethnisch identisch zusammengesetzten Nachbarland Burundi die Soldaten der Tutsi-dominierten Armee alle Hutu mit Schulbildung töteten, derer sie habhaft werden konnten. Die Welt hat diese Verbrechen in Burundi nie wirklich zur Kenntnis genommen. Ruanda war 1994 allerdings für einige Monate in aller Munde. Dennoch weiß die deutsche Öffentlichkeit über beide Länder, ihre Menschen und ihre Geschichte kaum Bescheid, obwohl Ruanda und Urundi (das heutige Burundi) zwischen 1897 und 1916 Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika waren. Ruanda und Urundi stellen kolonialgeschichtliche Sonderfälle dar, denn das Deutsche Reich hatte sich nicht um den Besitz der beiden Königreiche bemüht; man kannte sie nicht einmal. Im Zuge der Aufteilung Afrikas in Einflussgebiete sind sie den Deutschen als Ergebnis der Berliner »Kongo-Konferenz« 1884/85 per Strich über eine unvollständige Afrikakarte zugefallen. Ruanda und Urundi waren gleichsam »geschenkte« Kolonien. Erst knapp zehn Jahre später, 1894, besuchte der Forschungsreisende Gustav Adolf Graf von Götzen als erster Deutscher gut bewaffnet den ruandischen Königshof. Ab 1897 »öffneten« Kolonialoffiziere die Länder ziemlich gewaltsam und installierten allmählich ein System indirekter Herrschaft, bis sie im Ersten Weltkrieg einer belgisch-britischen Übermacht weichen und das Land verlassen mussten.

Termékadatok

Cím: Geschenkte Kolonien [antikvár]
Szerző: Helmut Strizek
Kiadó: Christoph Links Verlag-LinksDruck GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 3861533901
Méret: 170 mm x 240 mm
Helmut Strizek művei
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