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ENDRE ARATÓ (1921-1977)
Wir sollten seinen 60. Geburtstag feiern, und ihm, wie gewöhnlich, weitere Schaffenslust und Energien wünschen. Wir können uns aber nur noch erinnern. An einem sonnigen Herbsttag begleiteten ihn Freunde, Schüler und Verehrer in den Friedhof zu Farkasrét, seitdem grünt das Gras zum vierten Mal auf seinem Grab. Statt eines Geburtstagsgrusses widmen sie jetzt diesen Band seinem Andenken.
Als er 56 Jahre alt, in Fülle seiner Schaffenslust starb, hinterließ er eine unermeßliche Leere. Wir wußten, daß er große Pläne hatte. Eine neuere Synthese, in der er die Geschichte der Völker Osteuropas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergleichen wollte, eine Monographie über die Entwicklung der ungarischen nationalen Ideologie und eine Darstellung des nationalen Ideensystems der nichtungarischen Völker.
Jetzt, da wir uns anläßlich seines Geburtstages an ihn einnem, erscheint dennoch das Bild eines ganzen Lebens vor uns: ein auch unvollendet vollständiges wissenschaftliches Oeuvre und das Beispiel einer wahren menschlichen Haltung.
Er war schon in seiner Themenwahl vorbildlich, als er die Untersuchung eines recht verwickelten Problems unserer Zeit, der Frage der Nationalitäten unternahm. Mit dem Aufwand des Historikers, mit einer festen Verpflichtung und Glauben an den Dienst der Gegenwart. Er behauptete mit dem Dichter, daß die Lösung der gemeinsamen Probleme der Völker unsere Aufgabe ist, und beugte sich über die vergelbten Blätter vergangener Jahrhunderte in der Hoffnung, daß die stete Erinnerung die Kämpfe der Ahnen einmal wirklich zu Frieden lösen kann.
Historicus non nascitur, sed fit. Einer, weil ihn die Romantik der Vergangenheit schon in seiner Kindheit anrührt, der andere, weil ihn die Deutung der Quellen erregt. Er wurde vielleicht darum Historiker, weil er von seiner frühen Jugend an mitten in der Geschichte leben mußte: in der so oft vernunftwidrigen, so tiefe Wunden versetzenden Geschichte unserer Zeit. Er ist am 8. November I92I geboren. Seine Kindheit und