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Vorwort
Die Renaissance hat in West- und Mitteleuropa nicht nur den Künsten, sondern auch den Naturwissenschaften eine Wiedergeburt bereitet. Zur Zeit der Hochrenaissance lebte und wirkte der vielleicht größte Naturwissenschaftler des i6. Jahrhunderts, Charles de TEscluse (Carolus Clusius). J. Conrad nannte ihn den „Fürsten der Botanik" seines Jahrhunderts. Nach R. Pulteney bereicherte er allein die Botanik in einem Ausmaße, das die Leistungen aller seiner Zeitgenossen zusammen übertraf. Nach A. Neilreich war er eine meteorhafte Lichterscheinung am Himmel der Wissenschaft.
Ein beachtlicher Wesenszug seines schriftstellerischen Wirkens war, daß er nicht nur seine eigenen Vorstellungen, wissenschafdichen Erfolge, Intuitionen zu Papier brachte, sondern auch jene wertvollen Werke seiner Zeitgenossen zugänglich machte, welche in seiner Zeit nicht lateinisch, sondern in anderen Sprachen erschienen waren, zum Beispiel Rembertus Dodonaeus' Cruyde-Boeck, zwei Werke Pierre Belons, je ein Werk Nicolas Monardes' und Christobal Acostas, das italienische Werk Ei ricettario di Firenze, Thomas Harriots englische Aufzeichnungen und Gerrit de Veers Schiffsjournal.
Bekanntlich war im i6. Jahrhundert Latein die Sprache der Wissenschaften. Clusius, der die Iberische Halbinsel anläßlich seiner Studienreise kreuz und quer durchwanderte, stellte enttäuscht fest, daß an den spanischen Universitäten die Vorlesungen nicht in lateinischer, sondern in spanischer Sprache gehalten, weiters die wissenschafdichen Werke entweder in spanischer oder in portugiesischer Sprache gedruckt wurden. Doch wer verstand in jener Zeit Flämisch, Holländisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Deutsch? Wer die eine oder andere Sprache nicht seine Muttersprache nannte, konnte Werke in diesen Sprachen eben nicht zur Kenntnis nehmen. So faßte Clusius den löblichen Entschluß, diese Werke teils in die lateinische, teils in die französische Sprache zu übersetzen, um sie nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Übersee zugänglich zu machen.
Dieser edle Charakterzug eines wahren Forschers soll nicht in Vergessenheit geraten und uns veranlassen, diese gegenseitige Befruchtung über Grenzen hinweg fortzusetzen.
Mit dem vorliegenden Buch wollen wir den von Clusius aufgedeckten Pfad selbst auch beschreiten und die Clusiussche Pilzmonographie sowie die farbigen Originalaquarelle mit deutschsprachigen Kommentaren einer internationalen Autorengemeinschaft der großen Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Da die deutsche Sprache in Mitteleuropa weit verbreitet ist, scheint dieses Vorhaben gerechtfertigt zu sein. Englische Resümees erleichtern darüber hinaus den Gebrauch des Werkes auch außerhalb des deutschen Sprachraumes. Es scheint, daß auf diesem Wege dem Werk eine größtmögliche Verbreitung gesichert wurde.
Anläßlich des Erscheinens dieses Buches darf man nicht versäumen, Gyula Ist-vánffi zu gedenken, der im Jahre 1900 in seinem Buch A Clusius-Codex inYkolo-giai méltatása, adatokkal Clusius életrajzához - Études et coiniiientaires sur le Code de VEscluse, augmentés de quelques lunices biographiques Clusius' Pilzwerk Fuugoruw hi-