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Prolog
Anno 1782
Das Mädchen lag unter der dünnen Bettdecke, starrte in die Dunkelheit und lauschte dem leisen Schnarchen seines älteren Bruders, der neben ihm schlief. Nachdem beide ins Bett gegangen waren und von der Mutter einen Gute-Nacht-Kuss bekommen hatten, war er sofort eingeschlafen, und das lag bereits eine lange Zeit zurück. Auch die Kleine war müde und wünschte sich, endlich einschlafen zu können, doch ihre Gedanken wogen zu schwer und ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Sie seufzte leise und drehte sich auf die Seite.
Draußen heulte der Wind, ließ die Bäume ächzen und knarren. Und dann war da noch der Regen. Dieser seltsame Regen, der bereits seit vier Tagen und vier Nächten ununterbrochen und gleich bleibend stark vom Himmel fiel. Niemals zuvor hatte das Mädchen solch einen Regen erlebt, und auch die Eltern und die anderen sprachen kaum noch über etwas anderes. Der Pfarrer behauptete gar, Gott habe diesen Regen geschickt, um die Ernte zu zerstören und die Menschen zu mahnen, sich Seiner zu erinnern. Doch das Mädchen glaubte das nicht. Es glaubte, dass dieser Regen gar kein Regen war, sondern Tränen, und weil der Himmel Tränen vergoss, sah es aus wie Regen. Auch der Himmel war traurig, genauso traurig wie es selbst, doch während es nicht mehr weinen wollte und längst keine Tränen mehr zu vergießen hatte, konnte der Himmel noch weinen.