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1. Kapitel
Frau Li hatte sich immer mehr in Hitze geredet. Nun rannen ihr gar ein paar Zornestránen über die gepuderten Wangen. Dieser lástige Verwandtenbesuch! Alle Laune war ihr verdorben! Wie hatte sie sich auf das heutige Hotelsouper mit anschliefiendem Theaterbesuch gefreut! Eben schickte sie sich mit ihrem Manne zum Ausgehen an, vor der Tür wartete schon die Autodroschke, da war ihr der „grofíe, alte Herr" aus der Chinesenstadt gemeldet worden.
Zwar war es ihr leiblicher Vater, aber sie wollte nun einmal mit ihrer verarmten Verwandtschaft nichts mehr zu tun habén. Seit ihr Mann den hochbezahlten Sekretár-posten in der auslándischen Bank erhalten hatte und aus der dumpfen Enge der Chinesenstadt hierher in die ge-ráumige Weite des Settlements, in das hübsche Heim im Hong kew Viertel, übergesiedelt war, hatte sich für sie eine Trennungsmauer zwischen dem Heute und Gestern aufgetan, hoch und fest wie der alte Stadtwall, der ehe-mais die Chinesenstadt vom internationalen Nieder-lassungsgebiet schied. Nein, sie wollte nicht mehr an das enge, ármliche Milieu erinnert sein, in dem sie aufge-wachsen war.
Natürlich brauchte der alte Herr wieder einmal Geld. Herr Huang, ein kleiner verkrachter Seidenhándler, hatte nach dem kürzlichen Konkurs noch keine neue Existenz-grundlage finden können. An allém fehlte es daheim. Mobiliar und Garderobe schwanden immer mehr dahin,