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Einführung
Ein neues Buch über Franz von Assisi wird den einen erfreuen, den anderen überraschen. Einerseits wird eine Darstellung dieses wohl beliebtesten Heiligen der Kirchengeschichte weit über die katholische Christenheit hinaus stets ihren Leserkreis finden, auch wenn es bereits eine schier unübersehbare Zahl von Darstellungen seines Lebens und Wirkens gibt. Andererseits ist in der Deutschen Demokratischen Republik seit ihrem Bestehen noch keine neue, im strengen Sinn wissenschaftliche Arbeit über Franz erschienen. Das 750. Todesjahr des Heiligen von Assisi war willkommener Anlaß, diesem Mangel abzuhelfen.
Die Herausgabe einer neuen Franziskus-Monographie ist aber auch durch die internationale Forschungssituation gerechtfertigt. Die Zeit der großen, romanhaft gefärbten Darstellungen ist wohl unwiederbringlich dahin, so stark der Reiz etwa des Werkes Paul Sabatiers auf Grund seiner stellenweise fast dichterischen Darstellungskraft, verbunden mit strenger wissenschaftlicher Arbeit, für mehrere Generationen auch gewesen ist. Die heutigen Interpreten des Franziskus gehen nüchterner und auch vorsichtiger zu Werke. Sie sind bei allen Unterschieden, die es etwa zwischen den katholischen und den evangelischen Forschern auch heute noch gibt, willens, ihre Darlegungen durch eine bewußt kritische Auswahl des durch die alten „Legenden" zur Verfügung gestellten Materials und durch vorrangige Anlehnung an die unbezweifelbar echten schriftlichen Willensbekundungen des Heiligen zu untermauern. Mir scheint, daß dieser Trend sich auch insofern verstärken muß, als mit formgeschichtlichen Mit-
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