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HERKUNFT UND FRÜHE JAHRE
Am 5. Jänner 1902 kommt als erstes Kind des Ehepaares Josefa und Franz Erntl, Bäckermeister in Sollenau, Nieder Österreich, ein Sohn zur Welt, der, wie es in damaliger Zeit oftmals der Brauch war, nach dem Vater, auf den Narrfen Franz getauft wird. Seit Generationen lebt die Familie Erntl in Sollenau, fast alle Vorfahren und Verwandten sind Handwerker: Bäcker, Fleischhauer und Schmiede. Und die meisten betrieben, wie ihre Zunftgenossen auch, neben ihrem Gewerbe eine mehr oder weniger große Landwirtschaft zur Absicherung der einfachsten Lebensbedürfnisse. Dies war nicht nur in Sollenau, im damaligen Erzherzogtum unter der Enns, einem der Kernlande des Habsburgerreiches so. Die Verbindung von Gewerbe- und Handelstätigkeit mit der Landwirtschaft entsprach durchaus einer ökonomischen Struktur, die aus dem Mittelalter bis zum Ende der Fünfzigerjahre unseres Jahrhunderts, und in Einzelfällen darüber hinaus, reichen sollte. Die Verbindung von Handwerk und Landwirtschaft zeitigte aber auch einen ganz bestimmten Typus von Gewerbetreibenden, der nicht nur in den ländlichen Gebieten mit seinen kleinen und mittleren Märkten und Städten anzutreffen war, sondern bis in die Vorstädte der Großstadt reichte, die ja, durchaus wohltuend, stark ländlichen Charakter hat-5 ten.
Diese Handwerker und Kaufleute, die meist bis zu 10 Gesellen und Lehrlinge beschäftigten oder ausbildeten, waren in vielen Fällen auch wesentliche Träger kultureller Bestrebungen, die ihren Niederschlag zunächst in den Kirchenchören und Gesangvereinen, aber auch in Lese- und Geselligkeitsvereinen und Turnverbänden fanden. Diese Vereinigungen sorgten, meist unterstützt und politisch differenziert durch Pfarrer und Lehrer, für die aktuelle kulturelle Information, und schließlich auch dafür, daß Begabungen geweckt, gefördert und zur weiteren Ausbildung in die nächsten Schulstädte geschickt wurden. Das Elternhaus Erntl in Sollenau, das etwa 10 Kilometer nördlich von Wiener Neustadt, im niederösterreichischen Steiirfeld liegt, ist ein sogenanntes ,,musikalisches" Haus. Sowohl der Vater, am 2. November 1876 hier geboren, als auch die ein Jahr ältere Mutter, eine geborene Mader aus Payerbach, sind musikalisch überdurchschnittlich begabt und spielen mehrere Musikinstrumente. Hausmusikabende führen ihre Kinder frühzeitig in diese Form der Kunst ein. Franz und seine jüngeren Geschwister Anton, Ottilie und Josef (er lebt in Göss in der Steiermark) erhalten Musikunterricht und nicht ohne Stolz erzählt Erntl, daß er schon als Sechsjähriger auf dem Kirchenchor in Sollenau bei den feiertäglichen Hochämtern Geige mitspielen durfte. Stammen die Erntls aus Oberösterreich, so kommen die Vorfahren der Mutter Franz Erntls über Payerbach aus Südtirol. Mehr jedoch als die Mutter, die durch den frühen Tod des Vaters — er fällt am 8. Februar 1916 im Ersten Weltkrieg in Montenegro — die ganze