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Francisco Goya [antikvár]

Francisco Goya [antikvár]

 
Francisco José de Goya y Lucientes war dreiundvierzig Jahre alt, als die Französische Revolution von 1789 ausbrach, die für ganz Europa ein neues Zeitalter einleitete. Wie viele spanische fortschrittliche Intellektuelle nahm auch er die revolutionären Gedanken, die in den Werken Rousseaus, Voltaires, Diderots, d'Alemberts, Schillers, Goethes und Beethovens lebendig waren, begierig auf, und seine Werke offenbaren, wie weitgehend sie für sein Schaffen bestimmend wurden. Sie zeigen jedoch zugleich, in welchem Maße er über die...
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Francisco José de Goya y Lucientes war dreiundvierzig Jahre alt, als die Französische Revolution von 1789 ausbrach, die für ganz Europa ein neues Zeitalter einleitete. Wie viele spanische fortschrittliche Intellektuelle nahm auch er die revolutionären Gedanken, die in den Werken Rousseaus, Voltaires, Diderots, d'Alemberts, Schillers, Goethes und Beethovens lebendig waren, begierig auf, und seine Werke offenbaren, wie weitgehend sie für sein Schaffen bestimmend wurden. Sie zeigen jedoch zugleich, in welchem Maße er über die bürgerlichen Vorstellungen und Traditionen hinauswuchs und durch eine echte Verbundenheit mit dem spanischen Volk, mit dessen Leiden und Kämpfen, seinen Gemälden und graphischen Zyklen jene Ausdrucksgewalt und menschliche Größe gab, auf die sich ihre überdauernde Gültigkeit gründet. Während die Französische Revolution im übrigen Europa das Signal zum Umsturz der feudalistischen Gesellschaft gab, rief sie in Spanien infolge der besonderen Entwicklung in den Jahrzehnten vor 1789, die zu einem politischen und wirtschaftlichen Aufschwung geführt hatte, keine revolutionäre Bewegung im Volk hervor. Unter der Herrschaft der spanischen Bourbonén im 18. Jahrhundert, vor allem während der Regierung Karls III. (1759-1788), hatten sich Handel und Verkehr, Industrie und Landwirtschaft unter dem Einfluß der Ideen der Aufklärung relativ fortschrittlich entwickelt. Die Macht der Kirche wurde durch das Verbot der Inquisition und die Verbannung der Jesuiten erheblich eingeschränkt. Diese für das feudale Spanien günstige Entwicklung stärkte bei der einfachen Bevölkerung das Vertrauen zum Königtum, das scheinbar für ihre Interessen eintrat. Deshalb gab es für eine revolutionäre Massenbewegung, die zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Gesellschaftsordnung hätte führen können, keine wirkliche Grundlage; die revolutionären Ideen der französischen Aufklärung fanden in Spanien noch keinen fruchtbaren Boden. Einzelaktionen fortschrittlicher Kreise des Adels und des Bürgertums konnten die Macht der Granden, die von den Erträgen der reichen Besitzungen in Spanien und Übersee lebten, nicht gefährden. Nach dem Tode Karls III., unter der Regierung seines Sohnes Karls IV., gewann der reaktionäre Flügel des Adels die Oberhand. Die herrschsüchtige Königin Maria Luisa trug nicht wenig zur Unterdrückung und Ausbeutung des Volkes bei, so daß in kurzer Zeit alle fortschrittlichen Errungenschaften ausgelöscht waren. Die Verbreitung progressiver Ideen durch Literatur, Theater, Musik und bildende Kunst wurde verboten, die Inquisition erneut zugelassen und damit die Macht der Kirche wiederhergestellt. Alle Gegner des Regimes wurden eingekerkert, Steuern und sonstige Abgaben der Bevölkerung wuchsen ins unerträgliche. Die steigende Unzufriedenheit des Volkes und die Uneinigkeit der liberalen Kreise nutzte Napoleon aus und unterwarf das Land. Sein Bruder Joseph wurde 1808 König von Spanien. Hinter Napoleons Aggression standen die Interessen der französischen Bourgeoisie, vor allem die der Tuch- und Lein-wandfabrikanten, welche sich nicht nur das Monopol für französische Industrieerzeugnisse in Spanien aneignen, sondern darüber hinaus die spanische Landwirtschaft als billige Rohstoffquelle unter ihren Einfluß bringen wollten. Doch das spanische Volk war nicht gewillt, diese neue Verschlechterung seines Lebens hinzunehmen. Am 2. Mai 1808, unmittelbar nach der von Napoleon erzwungenen Abdankung der spanischen Königsfamilie, erhob es sich gegen die Franzosen. Der Aufstand begann in Madrid und verbreitete sich in kurzer Zeit über das ganze Land. Obwohl im November 1808 Napoleon selbst mit einem Heer von hundertachtzigtausend Mann in Spanien einrückte, gelang es ihm nicht, die militärtechnisch unterlegenen Partisanen entscheidend zu schlagen. 5

Termékadatok

Cím: Francisco Goya [antikvár]
Kiadó: Henschelverlag
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 210 mm x 270 mm
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