Bővebb ismertető
Es ist nicht bekannt, wann und von wem der Name Varieté erstmals im deutschenSprachraum eingeführt worden ist. In seinen Urformen reicht das Varieté bis in die Anfänge dergeschichtlich verbürgten Nachrichten über Gauklerkünste zurück, und schon im 5. Jahrtausend sindin Ägypten Vorstellungen nachgewiesen, die ihrem Charakter nach weit eher dem eines Varietés alsdem eines Zirkus entsprachen. Vazierende Musiker, Sänger, Tänzer und Akrobaten zeigten ihreKünste bei den Gastmählern der Reichen, und im besonderen wurde das Jonglieren mit Bällengeübt, eine Domäne des weiblichen Geschlechtes, was aus Abbildungen auf Vasen, in Grabgrottenund dergleichen ersichtlich ist.Die Geschichte des Varietés im deutschsprachigen Raumist von der im französischen oder englischen verschieden, dochzeigen sich weitgehend Parallelen. Im deutschsprachigen Raumwaren im 19. Jahrhundert vielfach die Singspielhallen die Aus-gangsbasis, in denen jedoch kaum Singspiele aufgeführt wurden,sondern die Volkssänger mit ihren sentimentalen Liedern undGassenhauern, ihren Gstanzeln, die Akteure waren. Die Singspiel-hallen wurden dann allmählich um artistische Produktionen ver-schiedenster Art erweitert und dergestalt zu Spezialitätentheaternumgeformt. Als man dann im wesentlichen in der zweiten Hälftedes 19. Jahrhunderts dazu überging, Bühnen zu bauen, die derweitgehenden Entfaltung der verschiedenen artistischen GenresRaum boten, bürgerte sich der Name Variete mehr und mehr ein.Eine Parallele ist in der Entwicklung der englischenMusic-halls gelegen, deren eigentliche Geburtsstunde im Jahre1852 in London in einer kleinen Spelunke schlug. Hier hatten sichdie Kneipenbesucher schon des öfteren zum gemeinsamenSingen der alten Folk-songs zusammengefunden, und hiebei auchden einen oder anderen Kollegen bewundert, der sie mit Solo-vorträgen, mit Späßen, Zauberkunststücken und dergleichenunterhielt Als das Gegröle mit der Zeit zu laut geworden war,hatte man die Schar in ein Hinterzimmer verbannt, wo bald einekleine Bühne installiert und auf diese Art ein Theater des kleinenMannes geschaffen wurde. Das war der bescheidene Anfang, demallmählich die luxuriösesten Gebäude nachfolgen sollten, dieLondon zur Stadt der Music-halls machten; bunte Varieté-programme mit besonderer Betonung des Chansons gingen dortüber die Bühne.In Frankreich liegt der Ursprung des Varietés in den erstenAnfängen des 19. Jahrhunderts im Café chantant, das dann etwaum die Jahrhundertmitte von dem schon exklusiveren Caféconcert abgelöst wurde. Die Café concerts begannen mit der Zeitihre Programme auszubauen und den Artisten aller Genres ihreTore zu öffnen; das Entstehen des Cabarets mit seinem berühm-ten Erstling, dem Chat noir" am Fuße des Montmartre, und dasder bekannten Pariser Revuetheater sind die weiteren Mark-steine, um so mehr als zwischen dem Varieté, der Revue und demCabaret nicht nur in Frankreich, sondern auch anderwärts weit-gehende Überschneidungen bestanden.Die gemeinsame Wurzel lag also überall im Gesanglichen,im Musikalischen, das dann um andere Produktionen vom Thea-ter, vom Zirkus, vom Jahrmarkt erweitert wurde. Wir müssenhervorheben, daß sich zwischen dem Varieté und dem Zirkus einwechselseitiger Prozeß des Gebens und Nehmens in Gang setzteund sich daher bei aller Verschiedenheit der beiden Vergnügungs-stätten eine Verwandtschaft herausbildete.Der Raum, den das Varieté umschloß, war wahrhaft weit-läufig. Er reichte von den armseligen, verräucherten Kneipen undmatt beleuchteten Schenken, über deren Portal eine einsame roteLaterne baumelte, bis zu den sich an Luxus überbietenden Varie-téetablissements, manchmal Palästen ähnlich, in denen sich tout lemonde ein Stelldichein gab; seine Spannweite erstreckte sich vonbedauernswerten Gauklern, die mit dem Teller absammeln gin-gen, bis zu Künstlern, die zu Idolen von Millionen wurden.Die Geschichte des Varietés in Wien ist von einer imDetail kaum überschaubaren Vielfalt, so daß im folgenden nureinige Marksteine verzeichnet und Tendenzen aufgespürt wer-den sollen.Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhundertswurde in der Brigittenau das Colosseum errichtet, das ursprüng-lich ein vornehm ausgestatteter Tanzsaal mit diversen Neben-räumlichkeiten war. Anfangs nur geschlossenen Gesellschaftendienend, machte man es später der Allgemeinheit zugänglich undfunktionierte es zum Unterhaltungslokal um. Als solches wurdees unter dem Namen Universum 1834 eröffnet und durch dieVerschiedenartigkeit seiner Belustigungen bald sehr beliebt. Vonabends bis morgens konnte man hier die großen brillanten Festi-vitäten" genießen, internationale Künstlervorstellungen" und