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ERSTER TEIL • STREIFZÜGE
Die Mauer war vom Mondlicht überflutet, dunkel waren nur die Nischen. Eins, zwei, drei acht Nischen in der Festungsmauer längs der ganzen Laboratoriumsgasse. In jede Nische konnte man sich, zu einem Fidelbogen zusammengekrümmt, hineinzwängen. Früher aber hatte darin ein Wächter in einer Rüstung gestanden, und die Höhe hatte auch für die Hellebarde gereicht. Im Laufe der Zeiten hatten sich Schichten von Staub, Erde und Steinen hier abgelagert. Und jetzt hockte ich, ein mittelgroßer Mann, geduckt in einer der Nischen.
Vor rund zwei Jahren habe ich hier noch Wächter spielen, habe noch „Achtung! Gefahr!" brüllen können, daß es in der ganzen Gasse widerhallte. Jetzt konnte ich das nicht mehr. Jetzt konnte ich mich nur auf die Steine setzen, die Beine in das Mondlicht ausstrecken, die Spitzen meiner Schuhe betrachten und gedankenlos, leidenschaftslos drei Zigaretten hintereinander rauchen. Dann stand ich auf, zog das Jackett aus, faltete es mit dem Futter nach außen zusammen, legte es in die Nische. Dann tat ich vier Schritte, hob die Arme und ertastete über dem Kopf den bekannten Vorsprung, der sich in diesen zwei Jahren nicht um einen Zentimeter verschoben hatte. Dann stellte ich mich auf die Zehenspitzen, machte, aufspringend, schnell einen Klimmzug und schwang die Beine hoch. Dann kletterte ich die Stufen empor. An der Mauer führte eine verwitterte, abgetretene, kaum erkennbare Treppe zum Turm hoch. Affenartig auf allen vieren kletterte ich an dem hell beschienenen Teil der Mauer entlang und empfand plötzlich die wohlbekannte Furcht, als ich, auf der Flucht vor dem Mondlicht, meine Schulter gegen den Turm preßte. Ich stand an den Turm geschmiegt, sah hinab auf das blinkende Kopfsteinpflaster und pumpte mich mit Mut auf, pumpte mich auf, als ließe sich irgend etwas rückgängig machen. Kehrt niemals zurück an Orte, an denen es euch wohlergangen ist! Wohl? Übel ist es mir ergangen, ich bin verzweifelt, aufgewühlt, kleinmütig, ratlos ge-
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