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ENTSTEHUNG UND AUFNAHME DER „MARIA STUART"
Am 26. April 1799 schrieb Schiller an Goethe: „Ich habe mich an eine Regierungsgeschichte der Königin Elisabeth gemacht und den Prozeß der Maria Stuart zu studieren angefangen. Ein paar tragische Hauptmotive haben sich mir gleich dargeboten und mir großen Glauben an diesen Stoff gegeben, der unstreitig sehr viel dankbare Seiten hat. Besonders scheint er sich zu der Euripideischen Methode, welche in der vollständigen Darstellung des Zustandes besteht, zu qualifizieren; denn ich sehe eine Möglichkeit, den ganzen Gerichtsgang zugleich mit allem Politischen auf die Seite zu bringen und die Tragödie mit der Verurteilung anzufangen. Doch davon mündlich und bis meine Ideen bestimmter geworden sind." Es war nicht das erste Mal, daß sich Schiller diesem Stoff zuwandte. Schon in Bauerbach (1782) hatte ihn Maria Stuart angezogen. Er hatte sich durch Reinwald Robertsons „Geschichte von Schottland" und Cambdens „Annales" schicken lassen, doch später kam er von seinem Plan wieder ab. Darum prüfte er jetzt vor allem den einst zurückgelegten in bezug auf die Bedingungen und Forderungen der künstlerischen Form. Auf den ersten Blick bot sich ihm eine Behandlungsart dar, die es ermöglichte, die in geschichtlicher Breite sich ausdehnenden Ereignisse zu vereinfachen und zusammenzuziehen: der ganze Gerichtsgang mit dem umständlichen und verwirrenden Zubehör der Staatsaktion sollte in den Hintergrund geschoben werden und die Handlung erst da einsetzen, wo schon das Beil über dem Haupt der Verurteilten schwebte. So war die vollständige Darstellung des so geschaffenen Zustandes die Aufgabe des Dichters.
Aber doch verstrich mehr als ein Monat, ehe er mit sich selbst ins reine kam. Erst am 4. Juni meldet er Goethe: „Ich habe mich nicht enthalten können, weil das Schema zu den ersten Akten der Maria in Ordnung und in den letzten nur noch ein einziger Punkt unausgemacht ist, um die Zeit nicht zu verlieren, gleich zur Ausführung zu gehen. Ehe ich an den zweiten Akt komme, muß mir in den letzten Akten alles klar sein. Und so habe ich denn heute, den vierten Juni, dieses Opus mit Lust und Freude begonnen und hoffe, in diesem Monate schon einen ziemlichen Teil der Exposition zurückzulegen." Und am 18. Juni
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