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EINLEITUNG
He looked at his own Soul with a Telescope. What seemed all irregular he saw and shewed to be beautiful Constellations and he added to the Consciousness hidden worlds within worlds. Coleridge, Note books
Im Sommer 1956 - es war während der Eranos-Tagung in Ascona - sprach der Verleger Kurt Wolff zum erstenmal mit Zürcher Freunden über seinen Wunsch, eine Biographie von Carl Gustav Jung im Pantheon-Verlag, New York, herauszugeben. Dr. Jolande Jacobi, eine der Mitarbeiterinnen C. G. Jungs, schlug vor, das Amt der Biographin mir zu übertragen.
Alle waren sich darüber klar, daß es sich um kein leichtes Unternehmen handeln würde, denn Jungs Abneigung, sich und sein Leben vor den Augen der Welt darzustellen, war bekannt. So sagte er auch nur nach langem Zögern zu, räumte mir dann jedoch wöchentlich einen Nachmittag zur gemeinsamen Arbeit ein. Das war in Anbetracht seines gedrängten Arbeitsprogramms und seiner altersbedingten Ermüdbarkeit sehr viel.
Wir begannen im Frühjahr 1957. Kurt Wolff hatte mir seinen Plan vorgelegt, das Buch nicht als «Biographie», sondern in Form einer «Autobiographie» zu gestalten - Jung selber solle sprechen. Das entschied über die Form des Buches, und meine erste Aufgabe bestand lediglich darin, Fragen zu stellen und Jungs Antworten zu notieren. War er im Anfang eher zurückhaltend und zögernd, so erzählte er doch bald mit wachsendem Interesse von sich, seinem Werden, seinen Träumen und seinen Gedanken.
Jungs positive Einstellung zu der gemeinsamen Arbeit führte Ende 1957 zu einem entscheidenden Schritt. Nach einer Zeit innerer Unruhe tauchten längst versunkene Bilder aus der Kindheit auf. Jung ahnte ihren Zusammenhang mit Gedanken seiner Alterswerke, konnte ihn jedoch noch nicht deutlich fassen. Eines Morgens empfing er mich mit der Mitteilung, er wolle selber über seine Kindheit schreiben, von der er mir bereits vieles, aber doch nicht alles berichtet hatte.