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Dieter Zehentmayr - Endstationen [antikvár]
 
Vorwort Die tollste Komödie aller Zeiten ist Österreich Thomas Bernhard Als der große österreichische Dichter dies in einem seiner Dramolette veröffentlichte, da war die „Heldenplatz"-Blamage noch gar nicht passiert. Dann, als rund um eine Burgtheater-Uraufführung das halbe Land samt journalistischen Aufplusterern sonder Zahl selbst in einer Sen^rube der Lächerlichkeit unterzugehen drohte, da hatte er - der tollen Komödie Österreich wie Thomas Bernhard offenbar stets und aufs tiefste verpflichtet - im KURIER bereits diese...
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Vorwort Die tollste Komödie aller Zeiten ist Österreich Thomas Bernhard Als der große österreichische Dichter dies in einem seiner Dramolette veröffentlichte, da war die „Heldenplatz"-Blamage noch gar nicht passiert. Dann, als rund um eine Burgtheater-Uraufführung das halbe Land samt journalistischen Aufplusterern sonder Zahl selbst in einer Sen^rube der Lächerlichkeit unterzugehen drohte, da hatte er - der tollen Komödie Österreich wie Thomas Bernhard offenbar stets und aufs tiefste verpflichtet - im KURIER bereits diese Bildfolge gezeichnet: Ein österreichisches Manderl folgt init vergnüglich gefletschten Zähnen verschiedenen Wegweisern mit Aufschriften wie „Zum Skandal", „Zum Riesenskandal", „Zum Kulturkampf-Eklat" usw. - und erreicht schließlich enttäuscht zwei winzige Gartenzwerge mit Zipfelmützen, die unter einem gewaltigen „Eklat"-Plakat ein „Pro"-bzw. „Kontra"-Taferl in den Patschhanderln halten. Endstation. Das war eine seiner ungezählten Hinterfotzigkeiten gegenüber den schreibenden Kollegen, welche sich wortreich und redlich bemühten, das Burgkrampftheater auf der Bühne Österreich möglichst präzise und vor allem gescheit zu analysieren und zu kommentieren. Er hingegen zeichnete einfach dieses belämmert vor den Sinnbildern der Einfalt stehende Manderl. Tut man so was? Der Mann weiß offenbar nicht, was sich gehört: Er tut es und zwar täglich. Das Tägliche zumindest vergönne ich ihm, weil er dadurch in der Situation des Zuchthengstes ist. (Dieser sagt bekanndich zu den neidischen Zuschauerhengsten ächzend: „Lieber nie dürfen als immer müssen!") Glaubt er vielleicht, es ist uns gegenüber fair, wenn er z. B. mit ein paar Strichen einen Tiger zeichnet, der den abgebissenen Kopf eines Teddys im Maul hat, während wir soeben erst den Kampf gegen Wort und Satz aufgenommen haben? Oder wenn er die Herren Sinowatz, Blecha und Gratz längst als gestrichelten Mixed-Noricum-Grill über brennenden Amry-Telexen und End-user-Zertifikaten ihrer politischen Endstation entgegenbrutzeln läßt, während Legionen von Leitartiklern noch über einen gerechten, staatstragenden Einstieg grübeln? Es ist natürlich nicht fair, schließlich ist er ja in Vorarlberg aufgewachsen (was angeblich wenigstens ein gerüttelt Maß an Fleiß garantiert) und nicht in England, wo Sportlichkeit noch etwas gilt; der solcherart ausgelöste Kummer anderer Berufsspötter schert ihn wohl einen Dreck. Rücksichtslos und zugleich unbeirrbar setzt er den Zeichenstift nach Art eines Seziermessers an die Geschehnisse, bohrt sich mit der spitzen Feder zum tiefsten Nerv vor und ist auch sonst recht schlechter Dinge. Der Vogel, den er als Markenzeichen hat, kann einem als sein Weggefährte wirklich leid tun. Auch diesem geht ja oft der Hut hoch. Es gibt zwar (schreibende) Kollegen, die hartnäckig behaupten, er sei Österreichs führender Karikaturist, möglicherweise auch, wie Thomas Bernhard gesagt hätte, ein besonders begnadeter Andernaseherumführer. Aber in Wirklichkeit ist er ein Künstler, was ihn erst recht verdächtig macht. Seine Anhänger und Bewunderer sagen wahrscheinlich: Er verfügt über Scharfsichtigkeit, Intelligenz, Bildung, Tiefgründigkeit und Witz; Leute wie ihn muß man ständig im Auge behalten, liebevoll pflegen und gut bewachen, damit andere nichts mit ihnen anstellen; abstellen zum Beispiel; wer sonst sollte die tollste Komödie aller Zeiten (und nicht nur diese) so in sprechende, aufspießende, boshafte und entlarvende Bilder umsetzen, wenn nicht er, dieser Dieter Zehentmayr? Na gut, meinetwegen! Herbert Hufnagl

Termékadatok

Cím: Endstationen [antikvár]
Szerző: Dieter Zehentmayr
Kiadó: Jugend und Volk Verlagsgesellschaft m.b.H.
Kötés: Fűzött keménykötés
ISBN: 3224176393
Méret: 210 mm x 280 mm
Dieter Zehentmayr művei
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