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LAND UNTER DER HERRSCHAFT DES EISES
EIN
„Eine ungeheure Eiswüste, für das Menschenauge unermeßlich", lag vor dem amerikanischen Forscher Isaac Hayes, als er 1860 das grönländische Inlandeis erkundete. Die vereiste Fläche mit einer Ausdehnung von fast zwei Millionen Quadratkilometern erinnert an jene Epoche, in der Hayes' Bemerkung auf ein Drittel des Festlandes der ganzen Welt zugetroffen hätte - die Eiszeiten, die unseren Planeten im Verlauf der letzten zwei Millionen Jahre wiederholt in ihren Bann geschlagen haben.
Vor vier Millionen Jahren war Grönland weitgehend eisfrei. Doch dann veränderte
sich das klimatische Gleichgewicht der Erde, und die winterlichen Schneefälle in den Bergen, die die Insel säumen, schmolzen auch im Sommer nicht ab; die Schneemassen wuchsen Jahr für Jahr, wurden durch ihr Eigengewicht zusammengepreßt und flössen schließlich sowohl küstenwärts als auch ins Landesinnere, bis sie schließlich eine bis zu 3000 Meter dicke Eisdecke bildeten. Wie die Eisschilde des Pleistozäns, denen es vorausging und die es überdauerte, begrub auch das grönländische Inlandeis Täler und Berge unter seinem unvorstellbaren Gewicht und drückte den Felssockel allmählich schüssei-
förmig 600 Meter und mehr ein. Im Verlauf der letzten 12 000 Jahre sind die Ränder des Inlandeises um durchschnittlich 190 Kilometer zurückgewichen. Vom Gewicht des Eises befreit, sind die Randgebiete wieder auf ihre einstige Höhe emporgestiegen; ebenso haben sich Teile Europas und Nordamerikas nach dem Abschmelzen der großen Eisschilde wieder gehoben. Doch obwohl das grönländische Inlandeis etwas an Ausdehnung verloren hat, dürfte es bestehenbleiben, bis die nächste Eiszeit einen Großteil der Erde wieder in eine unermeßliche Eiswüste verwandelt.