Bővebb ismertető
Das Studium der Vergangenheit
distanziert von der Gegenwart.
So verhilft Geschichte zur
Selbstbesinnung.
Was verspricht man sich von einer Wissenschaftsgeschichte1? Be-
gibt man sich nicht in ein Museum, das nichts mehr mit dem Leben
zu tun hat, in das man wieder hinaustritt, wenn man die verstaubten
Sehenswürdigkeiten verläßt'? Wer so denkt, besitzt ein schiefes Bild
von einer Wissenschaftsgeschichte! Sie führt in eine weite Land-
schaft. Diese wird von Wegen durchzogen, auf denen es sich bequem
fährt; sie ergreifen Besitz von der Landschaft und sind nach neuesten
Kenntnissen angelegt. Die Wissenschaftsgeschichte erlaubt es, diese
Wege zu verlassen. Wir durchwandern das Gelände und erleben die
Schwierigkeiten, die es zu überwanden galt, ehe an Wegbauten zu
denken war. Solche Ausflüge bilden das beste Training, um später
selber auf Entdeckungen auszugehen. Wer den Himalaja bezwingen
will, muß die Zugspitze vorher bestiegen haben!
Ein hoher Reiz historischer Studien war es von jeher, zu erleben,
daß Beispiele früher da waren als Theorien, der höchste Reiz aber,
zu verfolgen, wie die Elemente unseres heutigen Weltbildes allmäh-
lich entstanden. Mit den sich ablösenden Methoden ging ein Wandel
in den führenden Forschertypen einher. Ihr Studium eröffnet einen
natürlichen Zugang zur Gegenwart und deckt verborgene Zusam-
menhänge auf. Die Zeit erhöht den eigenen Standpunkt, und man
erblickt von oben Vorgänger, die im Labyrinth werdender Disziplinen
herumirrten, weil ihnen Stützpunkte fehlten in Form von Lehrsätzen,
die frei von Ausnahmen waren. Es ist ein Hin und Her von Mei-
nungen, die mitunter heftig aufeinander prallten wie Generationen
in einer Familie. Denn auch die abstrakteste und subtilste Wissen-
schaft ist Menschenwerk. Sie ist Irrungen ausgesetzt und macht
Umwege, die zu berücksichtigen besondere Sorgfalt verlangt, um
Irrtum und Wahrheit auseinanderzuhalten. Sonst ergeht es einem
so wie dem Privatgelehrten Kronos im Text. Es sollte nachdenklich
stimmen.