Bővebb ismertető
geschichtliche einführung versailles, sitz der alten monarchie
Wenn auch Ludwig XIII. an dieser Stelle bereits um 1630 einen von einem Garten umgebenen Jagdpavillon erbauen ließ, so kommt der eigentliche Aufbau des Schlosses Versailles doch Ludwig XIV. zu. Der weder zu nahe von der stets aufruhrbereiten Stadt Paris noch zu weit entfernt von dieser gelegene Standort bot herrliche Baumöglichkeiten. Dies entsprach dem Wunsch des Königs, seinen gesamten Hof um sich herum zu etablieren, was keine andere königliche Residenz der Umgebung zuließ. Er verlieh dem Schloss somit seine Bedeutung und legte sein Schicksal fest. So wurde Versailles zwischen 1682 und 1789 Sitz und auch Symbol der absoluten Monarchie, denn dieser ganz nach dem Willen des Sonnenkönigs angelegte Ort spiegelt seine Vorstellung von Macht wider.
SITZ DER MACHT
In der absoluten Monarchie geht alle Macht vom König aus. In Versailles ist Ludwig XTV. Hausherr, so wie er Herr des Königreichs ist, das er mit Hilfe ihm völlig ergebener Mittelsmänner regiert. Die aus den Amtsgeschäften ausgeschlossenen Würdenträger haben keinen wirklichen Einfluss mehr; sie fühlen sich jedoch genötigt, am Hof zu erscheinen. Denn hier erteilt der König seine Gunstbezeugungen: Ämter, Landbesitz, Titel, Pensionen, usw. Diese ganz auf Prestige und Äußerlichkeiten basierende Gesellschaft ist geprägt von ständiger Nachahmung, obligatem Luxus und ruinösem Lebensstil. Auf diese Weise „hält" Ludwig XIV. die Höflinge. Er selbst muss in allen Bereichen dominieren; in seinen Augen sind Machtausübung imd -darstellung eines. Seine Residenz muss die größte und schönste und ihre Dekoration mit zahllosen Symbolen seines Ruhmes durchsetzt sein. Die Zahl der im Haus des Königs lebenden Domestiken, im edlen Sinne des Wortes, muss die höchste von allen und sein Hof stark frequentiert sein. Hier verkehren täglich zwischen 3.000 und 10.000 Personen. Diese beträchtliche Menschetmienge erfordert strenge Regeln. Die Etikette und ihre Zwänge - wer zum König darf, wer sich in seiner Gegenwart setzen darf, wer vor wem gehen darf, usw. - mögen in unserer Zeit auf den ersten Blick nichtig erscheinen. Die Etikette spielt jedoch eine ganz wesentliche Rolle, denn sie unterstreicht die Rangfolge, die Vorherrschaft des Königs, kurz, die Hierarchie im Inneren des Hofes. Sie kommt selbst in den intimsten Bereichen des königlichen Lebens - Aufstehen, Zu Bett Gehen, Mahlzeiten, Spaziergänge - zum Tragen, da diese als Staatsakte angese-
hen werden, während die eigentlichen Staatsakte eher als persönliche Handlungen des Königs gelten. Eine weitere Besonderheit von Versailles, die Fremde zu Recht verwundert, ist die Tatsache, dass die Gärten ebenso wie das Irmere des Schlosses der Öffentlichkeit zugänglich sind. Auch nicht zum Hof gehörende Personen können den König sehen, wenn er beispielsweise sein Grand Appartement durchquert, um sich zur Kapelle zu begeben, und jeder kann, in Abwesenheit des Königs, dessen Schlafzimmer betreten. Die Disposition der Anlage erklärt sich somit aus ihren zahlreichen Funktionen: Repräsentation, Regierung, Wohnort und Dienstbereich. Doch all dies wurde nicht an einem Tag erbaut.
FÜNFZIG JAHRE BAUSTELLE Als sich Ludwig XIV. zu Beginn seiner persönlichen Herrschaft im Jahr 1661 im Landhaus seines Vaters zerstreut und die ersten Ausbauarbeiten in Angriff nimmt, weiß er selbst noch nicht, dass diese kleine Anlage, die den um den Marmorhof liegenden Gebäuden entspricht, das Herz eines immensen Gebäudekomplexes werden soll. In seiner Jugendzeit bilden die Gärten, deren Gestaltung sofort Le Nôtre anvertraut wird, den Rahmen außerordentlicher Fesdichkeiten, die den Namen Versailles in ganz Europa bekannt machen. Am Tag nach der großen Vergnügungsveranstaltimg des Jahres 1668 beschließt der König eine erste Erweiterung. Le Vau und d'Orbay, seine Architekten, umgeben das ehemalige Schloss mit drei auf den Park blickenden Gebäudekomplexen. Die neuen modernen Steingebäude im Stil barocker römischer Villen stehen in so starkem Kontrast zur Ziegel-, Stein- und Schieferarchitektur Ludwigs XIIL, dass es den Anschein hatte, als ob zwei unterschiedliche Schlösser ineinander verschachtelt worden wären. Le Brun, der erste Maler des Königs, entwirft die Pläne für die gesamte Linenausstattung der Grands Appartements sowie für die Skulpturen der Brunnen, die mit ihren zahlreichen Wasserspielen Parterre, AUeen und Bosquets verzieren. Der Sonnengott Apollo, mit dem sich der König identifiziert, herrscht an allen Orten. Im Jahr 1677 kündigt Ludwig XIV. seine Entscheidung an, den Hof und die Regierung in Versailles anzusiedeln. Diese Entscheidung läutet die Eröffnung einer riesigen Baustelle ein, die trotz der Zehntausenden von Männern, die hier arbeiten, zum Zeitpunkt der tatsächlichen Niederlassung im Schloss im Jahr 1682 noch lange nicht abgeschlossen ist.