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M anet ist aufier sich, we.il er nicht gráflliche Bilder wie Carolus-Duran malen kann und gefeiert und dekoriert wird." Edgár Degas, Maler wie Manet, dazu sein Freund und als geistreicher Spötter bekannt, traf mit diesen Worten den Kern der Sache. Manet war zu Lebzeiten nur einem kleinen Kreis von Menschen, meistens Künstlern, vertraut. Die „gráfilichen Bilder" von Malern wie Carolus-Duran, der heute lángst vergessen ist, dominierten in den jáhrlich stattfindenden ofltziellen Kunstausstellungen in Paris im „Sálon" und brachten, von bourgeoisem Publikum und Kritik hochgeschátzt, den Künstlern Éhre und Ruhm ein. Der grundlegende Wandel in der Wertschátzung Manets, der bald nach seinem Tode einsetzte und an dem auch deutsche Kunstgelehrte wie Hugó vonTschudi, der damalige Direktor der Berliner Nationalgalerie, und Julius Meier-Gráfe mafigeblich beteiligt sind, macht es heute schwer zu verstehen, weshalb Edouard Manet, der uns doch so sehr Vertreter seiner eigenen Zeit zu sein scheint, auf eine zwanzig Jahre wáhrende Ablehnung stofíen mufite. Manet ist nichts weniger als Bohémien. Geboren am 23. Januar 1832 in Paris als Sohn einer wohlhabenden Familie, bleibt er zeitlebens dem liberalen Bürgertum verhaftet. Von Haus aus republikanisch gesinnt, nimmt er als junger Mensch und auch spáter lebhaft Anteil an den politischen Ereignissen seines Landes. Das Paris seiner Jugend stand unter dem Eindruck des Staatsstreiches von 1851/52, durch den sich der Neffe Napoleon Bonapartes, Louis Napokon, zum „Kaiser der Franzosen" erklárte. Der Restauration des Kaiserreiches stand Manet innerlich ablehnend gegenüber, ohne deshalb zum Aufíenseiter zu werden. Er ist in seinem privátén Leben ein weltmánnischer, eleganter „Boulevardier", ein echter Pariser der gehobenen Schichten gewesen, voll charmanter Anmut, voll Geist und Witz, den angenehmen Seiten des Daseins durchaus zugetan. Seine einzige Abweichung von diesem Leben eines typischen „Bourgeois" - wobei dieses Wort in seiner ursprünglichen, nicht von vornherein negativen Bedeutung verstanden werden mufi - besteht im Grundé nur in seiner Berufswahl, oder noch deutlicher, in der Art und Weise, wie er seinen Malerberuf auffaftte, denn er „male, was er sehe, und nicht, wie es den anderen zu sehen beliebt". Eine Antwort, die er seinem Lehrer Couture gegeben habén soll, als dieser eine seiner Schülerarbeiten tadelte. Ursprünglich war Edouard gleich seinen Brüdern für eine gehobene Beamtenlaufbahn bestimmt, wie sie seiner Familie entsprach. Da seine Schulleistungen jedoch immer ungenügender wurden und er im Grundé schon damals nur dem Zeichenunterricht ein gewisses Interesse abgewann, hatte er nur den einen Wunsch, das Collége möglichst schnell hinter sich zu bringen. Er wollte lieber Marineoffizier werden, und so reiste Auguste Manet mit seinem Sohn Ende November 1848 nach Le Havre, wo das Schulschiff „Havre et Guadeloupe" vor Anker lag. Die erste Fahrt ging unter sehr ungünstigen Witterungsverháltnissen nach Rio de Janeiro. Sowohl von der Überfahrt als auch von dem Aufenthalt in Brasilien ist eine Reihe von Briefen erhalten. Die Lektüre ist aufschlufíreich: In den Briefen an seine Eltern láfít der Sechzehnjáhrige zwar eine Füllé gut beobachteter Einzelheiten besonders des fremden Landes einfliefien, im ganzen bleiben sie aber Schreiben eines wohlerzogenen Sohnes an Erwachsene, denen er in respektvoller Distanz gegenübersteht. Was in seinem Inneren vorgegangen ist, was er wirklich von seinen Vorgesetzten, seinen Kameraden, von all dem Neuen dieser so ganz anders gearteten Existenz denkt, erfáhrt man höchstens in Briefen an seine Brüder oder seine Freunde. Man gewinnt auch keine Klarheit darüber, was Manet schlieülich zur Aufgabe des