Bővebb ismertető
Die lodernden Scheiterhaufen, auf denen die Opfer der Inquisitoren standen, gehören zu den aufregenden und heftig diskutierten Themen der Geschichte. Schon zwei Jahrhunderte dauert das publizistische und politische Interesse an der grausamen und gefürchteten Institution der Inquisitionstribunale. Zögernd erwachte auch das wissenschaftliche Interesse. Manchmal eng mit dem Pamphletkrieg verknüpft, entflammten wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Streitigkeiten darüber, wer eigentlich für die Taten der Inquisition moralisch verantwortlich zeichnet. Je intensiver sich die moderne Historiographie an der Erforschung der Inquisitionsgeschichte beteiligte, desto tiefere unterschwellige soziale und sozialpsychologische Zusammenhänge sind entdeckt worden. Immer genauer und ausführlicher haben die Historiker auch die politischen Hintergründe der Inquisitionsprozesse beleuchtet.
Es ist nicht leicht, sine ira et studio die Geschichte einer solchen Institution zu schreiben. Die Menschen von heute sind zugleich abgeschreckt und angezogen von den Ereignissen einer Zeit, in der der Mensch vergeblich um sein Recht auf Gewissensfreiheit kämpfte. Auch wenn wir uns über alle Vorurteile hinwegsetzten, bleibt die Schwierigkeit, aus der unübersehbaren Menge der faktologischen Erkenntnisse das Wesentliche und Interessante zu wählen. Auch eine populärwissenschaftliche Arbeit, die keine Entdeckungsambitionen hat, wie die hier vorgelegte, kann kein ausgeglichenes und allseitiges Bild der Inquisitionsgeschichte geben.
Wir hielten es aus diesen Gründen für zweckmäßig, von vornherein auf eine systematische Geschichte der Inquisition zu verzichten. Unser Interesse konzen-
triert sich auf die Tätigkeit der Inquisition in jenem Zeitalter, in dem die Glaubenseinheit durch Verfolgung Andersgläubiger und Andersdenkender erreicht werden sollte. In dieser Zeit begannen die Völker Europas erst, den konflikt- und spannungsreichen Prozeß des Ubergangs von der feudalen zur kapitalistischen Ordnung zu bewältigen. Sie standen gleichsam an der Schwelle der Neuzeit. Schwerpunkt unseres Buches bildet die Gegenoffensive der Papstkirche gegen die Errungenschaften der reformatorischen Bewegungen. Dieser Konterschlag vereinigte in sich sowohl die sogenannte Gegenreformation als auch die katholische Erneuerung seit dem Konzil von Trient bis zu den endgültigen Siegen des Absolutismus in der zweiten Hälfte des 17. Jh. Dabei wollen wir den Stellenwert der Inquisition unter anderen Mitteln und Methoden der Gegenreformation bestimmen, denn uns scheint, daß die moralische Verdammung dieser gefürchteten Institution durch Zeitzeugen und Geschichtsschreiber eine nüchterne Bilanz ihrer Wirkung behindert hat.
Die Beziehung zur Gegenreformation ist eine wesentliche Seite, aber nicht die einzige Sicht, unter der wir die Inquisition betrachten werden. Es geht auch darum, die historischen Wurzeln dieser außerordentlichen Institution und ihre Erfolge zu beleuchten. Man kann die Bedeutung der Inquisition nicht begreifen, ohne ihre grundlegenden Prinzipien zu kennen, die sich schon im Mittelalter herausgebildet haben. Der kurze Blick, den wir auf die mittelalterliche Inquisition werfen, ermöglicht es uns, die Unterschiede zwischen der alten und der neuen, gegenreformatorischen Inquisition deutlich zu machen.