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Sie stand verloren und ein wenig ängstlich in dein langen, weiß gekachelten Gang. Niemand beachtete sie.Hinter den in Gummi gelagerten lautlosen Türen mit den großen Milchglasscheiben hatte die Arbeit der Ärzte bereits begonnen. Andere standen in Gruppen auf dem Gang, diskutierten und rauchten. Sie hatten die OP-Mäntel in den Vorbereitungszimmern gelassen. In weißen Leinenhosen und kurzärmeligen Hemden lehnten sie an der Wand und besprachen die Operationen.Den Eintritt der jungen Ärztin hatte niemand bemerkt. Als sie näher kam und den Kollegen zunickte, grüßte man nur kurz und sprach weiter.Aufmerksam las Dr. Erika Werner den Tagesplan auf der Tafel: 10 Uhr. Neurinom. Dez. Dr. Bornholm. OP I.Ihr Fall. Ihre erste Operation in diesem Riesenhaus der Hoffnungen und Schmerzen. Ihre erste Assistenz. Am vergangenen Abend war sie zu dieser Operation eingeteilt worden. Eilig war sie in die Bibliothek gerannt und hatte alles nachgelesen, was über Neurinome zu finden war. Bisher hatte sie nur gewußt, daß es Nervengeschwülste waren. Die halbe Nacht hatte sie am Tisch gesessen und die Operationslehren studiert. Am Ende wußte sie nur eins: Dr. Bornholm darf mich nicht ansehen. Ich werde alles falsch machen, wenn er mich ansieht.Sie blickte auf die Uhr am Ende des Ganges. Halb zehn.