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EINFÜHRUNG
„Im Herbst des Jahres 1787 unternalim Mozart in Begleitung seiner Frau eine Reise nadi Prag, um ,Don Juan' daselbst zur Aufführung zu bringen Die Komposition war weit über die Hälfte vorgeschritten. Vertraute, urteilsfähige Freunde, die, als Zeugen der Entstehung des außerordentlichen Werkes, einen hinreichenden Begriff von seiner Art und Wirkungsweise haben mußten, sprachen überall davon in einem Ton, daß viele selber von den Gegnern darauf gefaßt sein konnten, es werde dieser ,Don Juan', bevor ein halbes Jahr verginge, die gesamte musikalische Welt von einem Ende Deutschlands bis zum andern erschüttert, auf den Kopf gestellt, im Sturm erobert haben. Vorsichtiger und bedingter waren die wohlwollenden Stimmen anderer, die, von dem heutigen Stand der Musik ausgehend, einen allgemeinen und raschen Sukzeß kaum hofften. Der Meister selber teilte im stillen ihre nur zu wohl begründeten Zweifel."
Die voranstehenden Sätze sind Eduard Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag" entnommen. Sie bilden den Grundstoff, aus dem des romantischen Dichters Phantasie ein lebensvolles Bild des großen klassischen Musikers erschaut und gestaltet hat. Nahm Mörike sich dabei das ihm zustehende schöpferische Recht, mit den Situationen und Charakteren einer vergangenen Wirklichkeit in fabulierfreudiger Freizügigkeit zu verfahren, ohne dabei den inneren Wahrheitsgehalt der Geschehnisse zu entstellen, so muß sich der Chronist streng an den nüchternen Tatsachenbereich halten, dem der „Don Giovanni" sein Entstehen verdankt. Mozart hatte sich schon zu Beginn des Jahres 1787 in Prag aufgehalten, urn sich für den großen künstlerischen Erfolg von „Figaros Hochzeit" bei den Prager Musikfreunden persönlich zu bedanken. „. . . hier wird von nichts gesprochen als von - Figaro, nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als — Figaro, keine Oper besucht als — Figaro und ewig Figaro,- gewiß eine große Ehre für mich", wußte er darüber zu berichten,- dies in jener ihm eigentümlichen Mischung aus sich bewußt von den Ereignissen distanzierender Ironie (denn er kannte die UnZuverlässigkeit solcher Begeisterungsausbrüche 0 und