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Der Einfall, die Geschichte Marie-Catherines aufzuzeichnen, kam mir heute, als ich dem Abbruch unseres Hauses zusah. Wenn ich sage, es sei ein Einfall gewesen, so möchte ich damit nicht ausdrük-ken, daß ich nie vorher daran gedacht hatte; aber ich wagte nie, den Entschluß zu fassen, und ich weiß, warum: ich hatte Angst davor, mich, mit Marie-Catherine beschäftigt, unabweisbar auch mit all jenen Fragen beschäftigen zu müssen, denen ich gerne aus dem Wege ging. Wenn ich also diesem Einfall nachgebe, so geschieht es weder freiwillig noch mutig, noch aber auch gezwungenermaßen; ich lasse mich vielmehr furchtsam in ein Abenteuer fallen, das ich nicht auszuschlagen wage.
Als ich gestern einige Stunden mit bitterer Genugtuung dem Abbruch unseres alten Hauses zugesehen hatte, ließ ich mich von Simone zum Friedhof fahren, nicht zum Waldfriedhof, wo mein Bruder Clemens, meine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und fast alle übrigen Angehörigen dieser weitverzweigten Familie begraben sind, sondern zu dem kleinen Friedhof, auf dem Marie-Catherine liegt, weitab und allein, als hätte sie nie zu unserer Familie gehört. Ich war nicht das erstemal dort, aber zum ersten Male mit Simone. Sonst hatte ich mich mit einem Taxi hinfahren lassen, insgeheim, wenn Simone in der Schule, später dann an der Universität war. Selbst seitdem sie mich zum Kaufe eines Autos gedrängt hat, in das man mich samt meinem Rollstuhl schieben kann, bat ich sie nie darum, mich dorthin zu fahren. Gestern tat ich es. Sie wollte nicht. Sie war schon dagegen gewesen, daß ich mir den Abbruch des Hauses ansehen wollte. Es hatte geradezu einen Kampf gekostet, bis sie nachgab. Sie ist jung, sie liebt die Gegenwart und die Zukunft, und obwohl sie über ihre Jahre ernst und erfahren ist, lehnt sie es ab, sich absichtlich vergangener Leiden zu erinnern; sie sagt, man dürfe dies nur tun, um sich Rechenschaft zu geben über das, was man falsch gemacht habe; wenn man einsehen müsse, daß man Vergangenes weder ändern noch gutmachen könne, müsse man ablassen vom Wühlen in dem, was hinter einem liege. Das ist eine gesunde Ansicht, ich gebe es zu. Die Frage ist nur, ob es Geschehnisse gibt, die >hinter einem liegen<. Ich glaube, daß nichts vergangen und alles gegenwärtig ist. Je mehr man sich dem Tode nähert, desto gegenwärtiger wird alles.
Nun, Simone brachte mich also, Besorgnis im Herzen, getarnt durch
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