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Johannes Urzidil - Die verlorene Geliebte [antikvár]

Die verlorene Geliebte [antikvár]

Johannes Urzidil

 
Spiele und Tränen Die Kinder spielten im Garten »Himmel und Hölle«. Sie gingen vollständig in der ernsthaften Arbeit des Spiels auf. Sie hatten mit einem Stück Kreide neun Felder auf den Grund gezogen: erst ein einzelnes rediteckiges, dann darüber drei quadratische Felderpaare, sodann wieder ein rechteckiges, die Hölle darstellend, und am Ende -ij'' halbkreisförmig den Himmel. Dem Erwachsenen bot sich diese > Zeichnung wie der Grundriß etwa einer romanisdien Kircäie mit , > Vorhalle, LängssdiifF und abgerundetem Chor....
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Spiele und Tränen Die Kinder spielten im Garten »Himmel und Hölle«. Sie gingen vollständig in der ernsthaften Arbeit des Spiels auf. Sie hatten mit einem Stück Kreide neun Felder auf den Grund gezogen: erst ein einzelnes rediteckiges, dann darüber drei quadratische Felderpaare, sodann wieder ein rechteckiges, die Hölle darstellend, und am Ende -ij'' halbkreisförmig den Himmel. Dem Erwachsenen bot sich diese > Zeichnung wie der Grundriß etwa einer romanisdien Kircäie mit , > Vorhalle, LängssdiifF und abgerundetem Chor. Möglidierweise lei- ; tete sich übrigens dieses Spiel mit seiner religiösen Symbolik von l'. dort ab. Die Spielenden hatten ja auch einen anstrengenden Ent- i ^' wicklungsgang durch verschiedene Zonen der Prüfung zu leisten. ?! Man hüpfte auf einem Bein, also unter freiwilliger Selbstbeschränkung, und hatte zugleich einen Stein von Feld zu Feld zu stoßen, bis man nadi den sieben irdischen Mühsalen entweder durdi eigene Schuld in die Hölle oder mit glücklichem Kraftaufwand in den Himmel gelangte. Wer es auf einem Bein nicht aushielt oder den Stein in ein falsches Feld stieß - denn es war eine genaue Reihenfolge vorgesehen und mit Ziffern bezeichnet -, der hatte verloren und mußte von neuem beginnen. Wer aber in die Hölle geriet, mußte überhaupt ausscheiden, wenigstens für einige Spiele. Dieser Garten war eigentlich nur ein bewadisener Hinterhof eines mittleren Zinshauses in der Vorstadt, und Adeles Eltern hatten ihn für sie und ihre um drei Jahre ältere Schwester gemietet. Der Knabe aus der ebenerdigen Wohnung durfte dort mit Adele spielen, und er bewunderte sie sehr, weil sie für ihn die eigentliche Herrin des Gartens war. Wenn er ins Gras treten wollte, sah er sie immer vorher an. Aber an dem Haus gegenüber lag noch eine unverbaute Parzelle mit großen Steinen und Erdlöchern. Dort spielte der Knabe mit anderen Jungen, und das beliebteste Spiel war »Räuber und Pola«, welch letzteres eine Abkürzung von Polizisten bedeutete. Der Knabe war lieber Räuber als Pola. Natürlich spielte man auch mit Murmeln oder an Stelle der Murmeln mit großen Pferdebohnen oder mit Knöpfen, die man dem häuslichen Nähkasten entnommen hatte. Es gab auch eine Art politischen Spiels, »Nationalitäten« benannt. Der eine war Italiener, der andere Deutscher, Russe, Österreicher, je nachdem. Man legte einen Ball in eine kleine Erdgrube, die aus unbekannten Gründen »Suppe« hieß. Dann stellten sich alle in einiger Entfernung rundherum, die ausgestreck-

Termékadatok

Cím: Die verlorene Geliebte [antikvár]
Szerző: Johannes Urzidil
Kiadó: Wilhelm Goldmann Verlag
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 120 mm x 180 mm
Johannes Urzidil művei
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