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EINLEITUNG
Der Vatikanische Stadtstaat, einer der gebietsmaes-sig kleinsten Staaten der Welt, ist einzig in seiner Art, da er den geistlichen Mittelpunkt der christlichen Religion darstellt.
Eigentlich ist er ein sehr kleines Staedchen innerhalb einer weit groesseren Stadt: Rom. So behaelt Rom, einst Hauptstadt eines grossen Keiserreiches und aller bis dahin bekannten Laender, heute noch seine fuehrende Stellung ueber alle Menschen, denn es umfasst und vereinigt in sich den beruehrbaren Brennpunkt des Christentums: den Vatikan.
Nach der Begehung der Via della Conciliazione nimmt Dich die Vatikanstadt auf und umfasst Dich ploetzlich mit ihren Armen: die beiden langen und praechtigen Saeulengaenge scheinen in der Tat mit ihrer kreisfoermigen Biegung fuer Dich eine Welt zu schliessen und eine andere zu oeffnen. Im Hintergrund erhebt sich majestaetisch die St. Peters-Basilika, Symbol und Tempel der Religion. Hinter ihr erstreckt sich die kleine Vatikanstadt.
Die Vatikanstadt erstand als vom italienischen Landesgebiet unabhaengiger Staat am 11. Februar 1929 durch den Abschluss der Lateranvertraege.
Seine Geschichte beginnt Jedoch in der Zeit als Kaiser Konstantin die erste praechtige Basilika in paleochristlichem Stil, an derselben Stelle wo St. Peter starb und wo sich viele Christenverfolgungen abspielten, errichten Hess. Die von jenem Moment an den Vatikan Interessierenden Begebnisse sind eng mit der Geschichte des Papsttums und der italienischen Geschichte verbunden.
HISTORISCHES UEBER DEN BAU DER ST. PETERS -BASILIKA UND DES ST. PETERS-PLATZES
Die heutige St. PETERS-BASILIKA hat den Anfang ihrer Geschichte am 18. April 1506, dem Jahre als Julius II, nachdem er das Projekt und den Bau dem Bra-mante anvertraut hatte, die Grundsteinlegung jener Konstruktion anordnete, die dann zum groessten und praechtigsten Tempel der Christenheit werden sollte.
Trotz der zahlreichen Umaenderungen, die im Verlaufe der Arbeiten vorgenommen wurden (auch infolge der von zeltgenoessischen und nachkommenden Architekten ausgearbeiteten Projekte, wie Michelan-giolo Buonarroti, Maderno und Bernini), ist die Basilika im wesentlichen die von Bramante geplante geblieben.
An ihrer Stelle existierte vordem eine andere grosse Kirche aus dem IV Jahrhundert n.Chr., d.h. aus der Zeit in der Kaiser Konstantin eine Verordnung erliess, nach welcher die christliche Religion offiziell anerkannt wurde.
Im IV Jahrhundert erstand so der erste St. Peters-Bau im Vatikan, eine palaeochristliche Basilika, die nach den Eigenarten der damaligen Kunst errichtet wurde. Der Grundriss bestand aus einem rechteckigen Koerper. der von einem Transept quer durchschnitten wurde. Die Schiffe waren fuenf an der Zahl und wurden durch Saeulen getrennt. Ferner stand vor der Kirche ein viereckiger Bogengang, wo sich gemaess der
damaligen Vorschriften die nichtgetauften Christen versammelten.
Diese Original-Basilika wurde im XV Jahrhundert niedergerissen, damit an derselben Stelle eine groes-sere errichtet werden konnte. Die Projekte zogen sich bis zum Beginn des XVI Jahrhunderts hin, und zwar bis die Arbeiten dem Bramante anvertraut wurden (1506).
Das in der Folge umgearbeitete Projekt des Bramante sah eine Kirche mit der Form eines griechischen Kreuzes (d.h. mit zwei Fluegeln gleicher Laenge) vor, die in einem quadratfoermigen Bau versteckt sein sollte.
An der Kreuzung der Fluegel sollte eine grosse Kuppel und vier kleinere Nebenkuppeln an den vier Ecken erstehen.
Die Arbeiten, die bald unterbrochen wurden, konnten im Jahre 1547 durch Michelangiolo Buonarroti fortgesetzt und umgewandelt werden, welcher gemaess seiner kuenstlerischen Sensibilitaet die Oberflaechen mit einer Reihe von architektonischen Elementen belebt und eine wfeit groessere Mittelkuppel projektiert. Die St. Peters-Kuppel erscheint heute in der Tat im wesentlichen nach Michelangiolos Projekt, aber etwas nach oben verlaengert wurde in spaeteren Zeiten durch die Architekten Domenico Fontana und Giacomo della Porta, um sich den neuen, von der Kirche angenommenen Proportionen anzupassen.
Im Jahre 1606 wurde die St. Peterskirche wiederum umgebaut. Carlo Maderno verwandelt im Auftrage des Papstes Paul V den anfaenglichen Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes indem er ihm die Form des lateinischen Kreuzes gibt (mit dem Laengskoer-per, der laenger ist als der Ouerkoerper). Er denkt ferner daran, an den Seiten der Fassade zwei Glocken-tuerme anbauen zu lassen. Das Projekt wird nur teilweise realisiert, und infolge des Nachgebens des Bodens koennen auch die Glockentuerme nicht gebaut werden.
Die Arbeiten gehen 1657 in die Haende des Glan Lorenzo Bernini ueber, der mit der Projektierung und dem Bau des praechtigen Saeulenganges um den Petersplatz beauftragt wird, einem der groessten Meisterwerke der Architektur. Er besteht aus einer grossartigen Viererreihe von Saeulen in elliptischer Form geordnet.
Die St. Peters-Basilika ist nunmehr vollendet und hat den Aspekt angenommen, den wir heute bewundern koennen. Dem aufmerksamen Beobachter wird bestimmt ein gewisses Verhaeltnis In den Ausmassen der Kirche nicht entgehen, und zwar sind es unproportionierte Masse, die auf die zahlreichen Aenderungen der Projekte zurueckzufuehren sind. Man beachte zum Beispiel die vorwiegend weite Entwicklung in der Breite im Verhaeltnis zu einer relativen Entwicklung in der Hoebe. man beachte ferner wie Michelangiolos Kuppel ihre Grossartigkeit und Evidenz verlieren wuer-de, wenn der grosse Saeulengang Berninis den Basilika-Komplex nicht fast in den Vordergrund bringen wuerde.