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SAVONAROLA
Bologna, 1492
Der Garten des Klosters der Brüder von San Domenico. Mitternacht. Der Himmel ist wolkenlos, klar und tief; die Sterne funkeln. Das Licht des Mondes dringt bis in die Säulengänge, die im Quadrat von vier Seiten einen mit hohen Bäumen und duftenden Blumen bepflanzten Hof umschließen. Auf den mondbeschienenen Mauern sindFresken sichtbar: rote Kleider, blaue Mäntel, bleiche Gesichter, gefaltete Hände; männliche und weibliche Köpfe mit Heiligenscheinen, Selige. In der Mitte des Hofes, auf fünf oder sechs Steinstufen, ein marmornes Crucifix im Stil des dreizehnten Jahrhunderts; auf den Querbalken des Kreuzes sind die Zeugen der Kreuzigung dargestellt. Rund um dieses Kreuz ein breiter Weg, auf dem der Prior des Klosters lustwandelt; an seiner Rechten der Frater Girolamo Savonarola; diesem zur Seile Frater Silvestro Maruffi.
FRATER GIROLAMO: Ja, die alten Zeiten sind vorbei. Die Stiinde schlägt! Jetzt oder nie muß Gottes Wort wiedererweckt und in der Welt verbreitet werden. Die Finsternis weicht, und das neu aufstrahlende Licht fällt, ein gewaltiger Ankläger auf die alte Verderbtheit. Dämonen sind am Werk, unser Unheil zuvollendenl Sie locken, sie blasen in die Flamme, die verlöschen will! Stoßen wir sie zurück! Reinigen wir die Gegenwart von der Schmach der Vergangenheit! Schütteln wir die Schlaftrunkenheit miserer Väter ab, aber nicht, um das Werk des Bösen zu fördern! Klären wir die Völker auf, führen wir sie, leiten wir sie — zwingen wir sie! —- Ach, Bruder, meint Ihr, daß ein Mißgestalteter wie ich dieses Werk nicht zu voll-