Bővebb ismertető
einführung Die Aufgabe, sich mit dem historischen Bilde der Reformation zu beschäftigen, reicht über die einer bloßen historischen Besinnung hinaus. Zwar ist die Reformation ein so tiefer - und nicht nur tragischer - Einschnitt in der europäischen Geschichte, daß man schon um ihrer äußeren geschichtlichen Bedeutung willen ein möglichst genaues Bild von ihr gewinnen muß, gerade in Deutschland, das unter den Auswirkungen dieser Kirchentrennung zunächst am meisten gelitten hat. Eine Klärung der geschichtlichen Zusammenhänge ist aber auch deshalb unerläßlich, weil es nur so zum Abbau längst überfällig gewordener Vorurteile kommen kann. Dem näheren Studium erschließt sich die Erkenntnis, daß die Reformation nicht ein auf den Innenraum der Kirche beschränkter Vorgang war. Sie vollzieht sich in einer Zeit „welterschütternden Übergangs" (Goethe). Ihre dynamische Kraft und geistige Fruchtbarkeit kommt vor allem darin zum Ausdruck, daß im dritten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts alles, was geistig wach ist, in diesen großen geschichtlichen Verwandlungsprozeß einbezogen wird. Am meisten äußert sich das natürlich in den geistigen Bereichen; Wissenschaft, Dichtung, Kunst erleben eine hinreißende Zeit der Blüte - „Juvat vivere! Es ist eine Lust zu leben!" (Hutten). Aber auch das gesamte übrige Gefüge des öffentlichen Lebens ist in diesen Prozeß der geschichtlichen Verwandlung einbezogen, vor allem im politischen und sozialen Bereich. Das faszinierende mittelalterliche Bild des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" zerfiel fast unmerklich, und nicht nur die Ansätze zu einem nationalstaatlichen Denken, sondern vor allem zu einem neuen, auf der Verantwortung des Einzelnen und der Völker basierenden Staatsdenken wurden sichtbar. Die Städte, wegen ihrer relativ größeren Freiheit vielfach Träger der Reformation, setzten ihren Weg auf eine neue gesellschaftliche Ordnung hin fort, in deren Verlauf das mittelalterliche Zunftsystem verschwand und der Weg zur modernen kapitalistischen Wirtschaftsordnung freigelegt wurde. Die ersten Ansätze zu sozialer Selbsthilfe, die an die Stelle mittelalterlicher karitativer Tätigkeit die soziale Verantwortung des Einzelnen und der Gesellschaft setzten, wurden erkennbar. Erstaunlich aber ist und bleibt, daß diese turbulenten Verwandlungsvorgänge ihren Ausgang bei der religiösen Erfahrung eines Einzelnen genommen haben. Als Martin Luther, damals Professor in Wittenberg, im Wintersemester 1512/13 in der Turmstube des Schwarzen Klosters zu Wittenberg sein neues Verständnis des Evangeliums entdeckte, war er zwar nicht als Individuum der Begründer der Neuen Zeit; niemals reißen die Fäden der Geschichte so drastisch ab, und auch Luther hatte in Theologie und Gesellschaft Vorgänger, deren Gedankengut ihn anregte und befruchtete. Aber, weil der geschichtlich fruchtbare Augenblick da war, erwuchs aus dieser stillen Stunde die Bewegung der Reformation, die weit über die religiösen Aspekte hinausgriff. In einem Augenblick, da wir geschichtlichen Wandlungen unterworfen sind, die noch niemand von uns völlig übersehen kann, ist es nützlich, sich jenes großen 16. Jahrhunderts zu erinnern, dem Europa so viele neue Impulse verdankt und das mit Recht als der Beginn der Neuzeit angesehen wird. Aber nicht nur aus diesem Grunde kommt die Darstellung von Edith Simon zur rechten Zeit, sondern auch deswegen, weil in unserer Generation zum ersten Male eine unvoreingenommene Würdigung dieses Jahrhunderts möglich erscheint. Katholizismus und Protestantismus sind sich im Zuge der ökumenischen Konferenzen dieses Jahrzehnts in einer neuen Aufgeschlossenheit begegnet; wir sind bereit für die Erkenntnis, daß man sein eigenes geistiges Erbe um so besser versteht, je aufgeschlossener man dem Denken des Anderen gegenübersteht. Das gilt nicht nur für die Begegnung von Protestanten und Katholiken, sondern auch für die zwischen dem christlichen und säkularen Denken der Gegenwart. Das vorliegende Buch ist eine wesentliche Hilfe für diese Begegnung. Landcsbischof D. Dr. hanns lilje