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Leni Riefenstahl - Die Nuba [antikvár]
 
Wie ich die Nuba fand In einer Nacht, in der ich vergeblich Schlaf suchte, las ich ein Buch von Hemingway, DIE GRÜNEN HÜGEL AFRIKAS. Er schildert darin seine Eindrücke, die er bei seiner ersten Safari in Ostafrika hatte, so faszinierend, daß ich hellwach wurde. Bis zum Morgengrauen hatte ich das Buch ausgelesen. Besonders stark blieb ein Satz in mir haften, den Hemingway in der ersten Nacht, die er in Afrika in seinem Zelt verbrachte, in sein Tagebuch schrieb: »Als ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Sehnsucht,...
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Wie ich die Nuba fand In einer Nacht, in der ich vergeblich Schlaf suchte, las ich ein Buch von Hemingway, DIE GRÜNEN HÜGEL AFRIKAS. Er schildert darin seine Eindrücke, die er bei seiner ersten Safari in Ostafrika hatte, so faszinierend, daß ich hellwach wurde. Bis zum Morgengrauen hatte ich das Buch ausgelesen. Besonders stark blieb ein Satz in mir haften, den Hemingway in der ersten Nacht, die er in Afrika in seinem Zelt verbrachte, in sein Tagebuch schrieb: »Als ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Sehnsucht, nach Afrika zurückzukehren.« War diese von Hemingway so hinreißend beschriebene Atmosphäre nur die Vision eines genialen Erzählers, oder gab es dort wirklich etwas, wo man freier atmen und glücklicher sein konnte? Von diesem Augenblick an ergriff mich der sehnliche Wunsch, Afrika selbst kennenzulernen. Um meine Reise nach Afrika realisieren zu können, schrieb ich mit Freunden ein Film-exposé über den modernen Sklavenhandel nach Unterlagen der Antislavery-Society. Mit diesem Entwurf flog ich schon wenige Wochen später nach Ostafrika. Meine erste Begegnung mit Afrika hatte etwas Apokalyptisches an sich. Ich beabsichtigte, einen Film über den damals noch immer bestehenden Sklavenhandel zwischen Afrika und den südarabischen Ländern zu drehen. Zur Motivsuche fuhr ich mit zwei Begleitern von Nairobi nordwärts zum Tana-Fluß und in den an Somalia angrenzenden nordöstlichen Teil Kenias. Der Himmel war wolkenlos, die Luft war rein. Die weiten Steppen überwältigten das Auge. Da sprang ganz plötzlich eine kleine Zwergantilope aus dem domigen Gebüsch auf die Straße. Der Fahrer wollte dem Tier ausweichen, doch in dem tiefen roten Sand kam der Wagen ins Schleudern und stieß gegen zwei Steine, die eine Brückenbegrenzung markierten. Der Wagen flog durch die Luft; ich spürte, wie ich mit dem Kopf durch die Windschutzscheibe stieß und bemerkte noch, wie der Wagen kopfüber in ein trockenes Flußbett stürzte. Erst als ich nach mehreren Tagen in einem Krankenhaus von Nairobi wieder zum Bewußtsein kam, erfuhr ich von unserer fast an ein Wunder grenzenden Rettung. Der Fahrer und ich hatten bewußtlos und schwer verletzt unter dem Wagen gelegen, der Boy war zwischen Gepäckstücken eingeklemmt und konnte sich nicht befreien. Da die Straße wegen der zu erwartenden Regenzeit für Fahrzeuge gesperrt war - wir hatten eine Sondergenehmigung erhalten - wäre eine Rettung unmöglich gewesen, wenn nicht wenige Stunden nach dem Unfall ein britischer Distriktoffizier, der einmal im Monat diese Straße von Nairobi nach Somalia inspizieren mußte, über die Brücke gefahren wäre, unter der der verunglückte Landrover lag. Er konnte uns mit Hilfe seiner Begleiter aus dem umgestürzten Wagen herausziehen und nach Gorissa bringen, das 590 Kilometer von Nairobi entfernt liegt. Ein kleines, per Funk angefordertes Flugzeug brachte mich ins Hospital nach Nairobi. Vier Tage war ich ohne Bewußtsein. Außer einem Schädelbruch waren meine sämtlichen Rippen mehrfach gebrochen und ein Lungenflügel verletzt. Die Ärzte zweifelten an meiner Genesung. So lag ich mehrere Wochen im Krankenhaus und dachte über das Afrika nach, das ich noch immer entschlossen war, kennenzulernen. Bs war eine dramatische Feuertaufe. Bezeichnenderweise verstärkte sich aber trotz dieses schweren Unfalls meine Besessenheit, das echte, noch unberührte Afrika zu finden. Früher als die Ärzte erwartet hatten, konnte ich das Krankenhaus veriassen. Ich schrieb in mein Tagebuch: »Ich habe den Preis, das Afrika Hemingways zu erieben, unter Schmerzen bezahlt; und nun verzaubert mich die afrikanische Atmosphäre noch mehr als zuvor. Ich bin ihrer Magie verfallen. Auf der Fahrt nach Arusha sah ich zwei Masai-Krieger, die in rhythmischem Schritt die Straße entlanggingen. Sie hatten Kopfbedeckungen aus schwarzen Straußenfedern und trugen Schilder und Speere. In stolzer, hoch aufgerichteter Haltung schenkten sie uns überhaupt keine Beachtung. Es war das erste Mal, daß ich Afrikaner in ihrer Stammeskleidung sah. Ich konnte den Blick von diesen Gestalten nicht abwenden, bis sie im Staub der Straße verschwunden waren.« Mein Filmvorhaben »Die schwarze Fracht« konnte ich nun nicht mehr realisieren. Durch meinen Unfall hatte ich zwei Monate unersetzbarer Zeit verloren, denn die Aufnahmen konnten nur in der Trockenzeit gemacht werden. Dann kam der Krieg am Suezkanal - das Schiff mit einem Teil der wichtigen Filmausrüstung traf mit fünf Wochen Verspätung in Mombasa ein. Es nahte die Regenzeit - ich versuchte, mit meinem Team dem Regen, bis zur Kongogrenze fahrend, auszuweichen. Aber dieses Unternehmen überstieg die mir zur Verfügung stehenden geringen Geldmittel. Ich mußte aufgeben - ein schwerer Schicksalsschlag. Damit war mir jede Basis genommen, in Afrika zu bleiben. Aber ein Zufall wollte es anders. Am letzten Tag meines Aufenthaltes in Afrika entdeckte ich in einer älteren Nummer des STERN, eine Aufnahme des berühmten Fotografen George Rodger: sie zeigte einen Nuba-Ringkämpfer, der von seinem Freund getragen wurde. Die künstlerische Gestaltung des Bildes, verbunden mit der Ausdruckskraft der schwarzen Nuba, faszinierte mich so sehr, daß ich nicht mehr aufhörte, mich für diesen Stamm zu interessieren. Dieses Bild veränderte mein Leben. Meine Sehnsucht, die sich bislang auf Afrika ganz allgemein gerichtet hatte, konzentrierte sich von nun ab auf die Nuba: Kordofan, eine Provinz des Sudan, wurde zum Mittelpunkt meiner Pläne. 9

Termékadatok

Cím: Die Nuba [antikvár]
Szerző: Leni Riefenstahl
Kiadó: List Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3471785191
Méret: 240 mm x 320 mm
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