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Begriff und Wesen der Metamorphose
Die Kenntnis von der Entstehung und der Entwicklung der Organismen im allgemeinen und der Tiere im besonderen ist nicht von jeher Allgemeingut des menschlichen Wissens gewesen. Nach ältesten Vorstellungen war die Entstehung des Lebens als ein Vorgang der Urzeugung gedacht. Überall dort, wo vor allem niedere und auch gewisse höher organisierte Tiere gefunden wurden, sollten sie aus dem Substrat, auf bzw. in dem sie lebten, aus der unbelebten Materie heraus, entstanden sein. Die Diskussion über die Entstehung des Lebens ist in erster Linie ein Problem rein philosophischer Betrachtung gewesen.
Im 17. Jahrhundert wurde die Auffassung von ider Urzeugung durch den toskanischen Arzt Francesco Redi wenigstens für Angehörige einer Insektenordnung, nämlich die der Zweiflügler, durchbrochen. Auf experimentellem Wege stellte er fest, daß sich Fliegenmaden im Fleisch nur entwickeln konnten, wenn Eier abgelegt waren. Die im gleichen Jahrhundert erfolgte Erfindung des Mikrosikops durah Leeuwenhoek brachte die zur Beurteilung der Entstehung der Lebewesen besonders interessierenden Mikroben dem menschlichen Auge näher. Erst Pasteur konnte im 19. Jahrhundert die Vorstellungen über die Urzeugung durch exakte Versuche als nicht zutreffend zurückweisen.
Schon die Beobachtung von Redi zeigt, daß die augenblickliche Erscheinungsform eines Tieres nicht immer dem Zustand seiner endgültigen geschlechtsreifen Entwicklvmgsform entspricht. Ehe dieser Zustand der Geschlechtsreife erreicht ist, macht das Tier eine Entwicklung durch, die zumindest dadurch gekennzeichnet ist, daß ein Teil der das erwachsene Tier charakterisierenden Organe noch nicht zu vollkommener Funktionshöhe entwickelt ist. Diese Entwicklung vollzieht sich sowohl im vom Mutterkörper gelösten Ei als auch, wenn lebende Junge zur Welt gebracht werden, im Mutterkörper selbst als Embryonalentwicklung und in dem darauf folgenden Lebensabschnitt als nachembryonale Entwicklung. Diese kann sich in einer direkten Entwicklung äußern, bei der das aus dem Ei geschlüpfte Tier (z. B. das Hühnerküken) oder das lebend geborene Junge schon dem erwachsenen Tiere weitgehend ähnlich sieht. Zum anderen kann bis zum Stadium des vollentwickelten Tieres eine Reihe von Entwicklungsstufen eingeschaltet sein, die schon rein gestaltlich starke Abweichun-