Bővebb ismertető
Wenn in der wiedererbauten Staatsoper als erste Werke Die Meister-singer von Nürnberg", Iphigenie in Aulis", Don Giovanni" undFidelio" erklungen sind, so wollten wir damit ein Bekenntnis für unseregroßen Meister ablegen. Aber nicht nur für ihre Kunstwerke als solche,sondern für mehr, für den revolutionären, weltbewegenden Geist, derdiese Meister auf ihrem Gebiete antrieb, Neues zu schaffen. Gluck,Mozart, Beethoven, Wagner; Menschen, die mit den Mitteln ihrer Kunstgebaut, geformt und verändert haben. Dies erkennen wir so recht ausunserer Gegenwart heraus. Wir, die wir in wirkender Hingabe am Baueiner neuen Weltordnung beteiligt sind, fühlen uns verpflichtet, dieseMeisterwerke an Menschen heranzubringen, die die neue Welt erbauenhelfen. Vieles gibt es da zu bedenken. Vieles zu erleben. Und wirerkennen, welche Kraft in der Kunst lebt und welche Bestätigungen unsdie Kunst geben kann. Wir erkennen auch die Vielseitigkeit der künst-lerischen Themenstellung, die unendliche Mannigfaltigkeit, in der sichdie Kunst uns darbietet. So wie das Leben in immer neuen Wendungenalles in Neues verwandelt, so auch die Kunst. Iphigenie", Don Gio-vanni", Fidelio" und Meistersinger": vier Werke voller stürmischerrevolutionärer Kraft - dem Neuen, dem Edlen, dem Humanismus ge-weiht. Und uns erwächst aus dieser Erkenntnis die besondere Verpflich-tung: das Neue, das Gegenwartsschaffen, zu umsorgen und ihm einWegbereiter zu sein.Das ist nicht immer einfach. Denn neue Werke wollen erobert sein.Sie verschenken sich nicht ohne weiteres. Im entbrennenden Meinungs-streit darf es an Mut und Liebe nicht fehlen. Aber auch nicht an Klar-heit und auch nicht an geduldiger Ungeduld". Ich glaube, bei solchenErwägungen kann uns Wagners großes nationales Musikdrama DieMeistersinger von Nürnberg" an die Spitze eines kulturellen Ereig-nisses gestellt - im neuen Lichte erscheinen. In dieser besonderenSpiegelung werden viele Akzente bedeutsam, die zwar immer da waren,aber doch im Laufe der Jahre der Gewohnheit verfielen. Jetzt wird allesund jedes im festlichen Augenblick gegenwärtig, und wir fühlen uns ineiner Weise angesprochen, als wäre das Werk gerade für diesen Taggeschrieben worden. Wir erleben nämlich ein Werk, dessen Inhalt sichmit entscheidenden Fragen des künstlerischen Schöpfungsprozesses unddem Werden des Neuen beschäftigt