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ERSTES KAPITEL
LA VIEILLE FRANCE
I.
TTm das Verhältnis der französischen und italienischen Renaissance zu kennzeichnen, will ich die Gartenbaukunst als Vergleich heranziehen. Die italienische Renaissance erwuchs auf eigenem Stamm, ihre einst gewaltigen Wurzeln staken in italischer Erde, doch der Baum, durch viele Jahrhunderte vernachlässigt, von ünkraut bewuchert, wollte nicht hlühen; als man aber im XIII. und XIV. Jahrhundert die schmarotzenden Gewächse zu entfernen begann, schöpfte der Stamm neue Kräfte, trieb Früchte: Dante, Petrarca, Boccaccio, Michelangelo, Leonardo da Vinci und viele andere.
Die französische Kultur des Mittelalters erreichte im XII. und XIII. Jahrhundert ihre hohe Blüte. Sie war wie ein weitgeästeter herrlicher Fruchtbaum, der auf heimatlicher Scholle erblühte. In seinem Schatten sang der Barde sein Rolandslied, und gotische Türme wuchsen in seiner Nähe. Als aber fremde Einflüsse, fremdes Unkraut den Jahrhunderte alten Baum zu umwuchern begannen, verdorrte er. Man schnitt ihn ab, fast bis an die Wurzeln, und pfropfte auf den Stamm neue römischitalische Triebe. Wieder gab der Baum Früchte, schön von Anblick, gross, aber sie hatten nicht mehr die Frische der früheren. Es erstanden Ronsard, die Plejade, die den Geist des ursprünglichen Frankreich ganz begrub und eine neue Dichtkunst, einen neuen Stil schuf, die sich von den gesunden, kraftvollen Traditionen gallischer Völker entfernten.
Nur die Architektur wehrte sich hartnäckig und am längsten gegen das Eindringen der italienischen Renaissance; aber das ünglück wollte es, dass das fremde Blut der Valois-Dynastie siegte, dass auch die fran-Chl., Fat. I