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Baktay Ervin - Die Kunst Indiens [antikvár]

Die Kunst Indiens [antikvár]

Baktay Ervin

 
Die historische ErschlieBung und Bearbeitung der indischen Kunst ist verhaltnismaBig sehr jungen Datums. Noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts schenkten westliche Gelehrte und Forscher ihr kaum Aufmerksamkeit. Um die Mitte des 19. Jh. galt das Interesse der Wissenschaftler fast ausschlieBlich jenen indischen Kunstwerken, in denen Züge westlichen, d. h. hellenistischen Ursprungs, zu erkennen waren. Diese wurden überschatzt, wáhrend die Werke der ursprünglichen, spezifisch indischen Kunst als unverstandliche und sinnlose Ausgeburten der...
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Die historische ErschlieBung und Bearbeitung der indischen Kunst ist verhaltnismaBig sehr jungen Datums. Noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts schenkten westliche Gelehrte und Forscher ihr kaum Aufmerksamkeit. Um die Mitte des 19. Jh. galt das Interesse der Wissenschaftler fast ausschlieBlich jenen indischen Kunstwerken, in denen Züge westlichen, d. h. hellenistischen Ursprungs, zu erkennen waren. Diese wurden überschatzt, wáhrend die Werke der ursprünglichen, spezifisch indischen Kunst als unverstandliche und sinnlose Ausgeburten der Phantasie gebrandmarkt wurden, denen höchstens ethnographische Bedeutung zugeschrieben werden könne. Ruskin, der einfluBreichste englische Asthetiker seiner Zeit, der zweiten Halfte des vorigen Jahrhunderts, hielt die Denkmaler der indischen Kunst für fratzenhafte Monstrositaten. Im letzten Drittel des Jahrhunderts fanden sich bereits Forscher, die sich allmáhlich des Wertes der indischen Kunst bewuBt wurden und sich mit standig wachsendem Interesse Indien zuwandten. Eine ganze Reihe ernsthafter Arbeiten begann sich mit dem Thema zu befassen. Inzwischen eijjcannte auch die britisch-indische Regierung die Bedeutung der Kunstdenkmaler. Sie organisierte die Institution des Archeological Survey, die besonders seit 1870, als Cunningham an die Spitze der Indischen Archaologischen Abteilung trat, eine umfassende und iuBerst erfolgreiche Tatigkeit zur Erhaltung und wissenschaftlichen Bearbeitung der Kunstschatze Indiens ausübte. Dieses Bestreben nahm Anfang dieses Jahrhunderts einen groBen Aufschwung, als Havell darauf hinwies, daB es nicht richtig sei, die Kunst Indiens auf Grund der gewohnten Gesichtspunkte der westlichen Kunstgeschichte zu bewerten, sondern daB der Sinn und die Wurzeln der indischen Kunst in der Kultur Indiens, in seiner Vergangenheit zu suchen seien. Seitdem wuchs die groBe Anzahl der wissenschaftlichen Werke, die sich mit der indischen Kunstgeschichte und deren Detailfragen befassen, zu einer ganzen Bibliothek an. Fast jedes Jahrzehnt brachte in den Anschauungen eine neue »Mode« mit sich; bald hőben die Verfasser das Phantastische, das Marchenhafte hervor, bald deuteten sie die Kunst Indiens ganzlich auf literarischer oder mythologischer Grundlage, andere betrachteten die chronologische Forschung als das einzig wichtige, oder sie stellten - neuerdings - die Probleme des Handwerklichen in den Vordergrund; in jüngster Zeit machten sich jedoch auch ökonomische und gesellschaftliche Gesichtspunkte geltend. Die Kunstgeschichte, wie die Geschichtsschreibung im allgemeinen, erfordert von Zeit zu Zeit eine Neubeweftung; dies ist unvermeidlich und auch notwendig. Meine Arbeit beschrankt sich nicht alléin auf die Geschichte der Kunst. Um eine Kunst, besonders aber die Kunst einer fernen, fremden Kultur richtig erfassen zu können, ist es unerlaBlich notwendig, ihren historischen und kulturellen Hintergrund, ihre gesellschaftliche Entwicklung, zumindest in groBen Zügen, kennenzulernen. Deshalb muBte ich die Geschichte und die Kultur Indiens wenigstens in dem Umfang behandeln, wie es seine Kunstgeschichte erfordert. Ich suchte den historischen, gesellschaftlichen und kulturgeschichdichen Hintergrund von Epoche zu Epoche so zu skizzieren, daB die organischen Phasen der Entwicklung der Künste in diesem Rahmen besser beleuchtet werden können. Doch dürfen an diese historischen Teile keine hohen Ansprüche gestellt werden; weder der Umfang meines Buches noch das oft Komplizierte und Umstrittene der 7

Termékadatok

Cím: Die Kunst Indiens [antikvár]
Szerző: Baktay Ervin
Kiadó: Terra-Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 210 mm x 290 mm
Baktay Ervin művei
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