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Einführung.
Von Heinrich K r a Ii k.
Unsere Zeit hat für die „Große Oper" nicht allzu viel mehr übrig. Kostümierte Historien und Staatsaktionen, Politik und Glaubensstreit als stolze Umrahmung eines melodramatischen Liebes- und Intrigenspieles der Zauber solcher kostbarer Opernhaftigkeiten ist heute schon einigermaßen verblaßt. Die „Große Oper" gleicht einer Ruine, zeugend von versunkener Pracht, aber zernagt vom Zahn der Zeit: aus dem bunten Trümmerfeld der Prospekte, Kulissen und Versatzstücke starrt das Grauen
Und doch, und doch , mag die Gattung als solche, deren Typisches aufs engste mit Mode und Tagesgeschmack zusammenhing, tot und abgetan sein, ein paar Meisterwerke aus der Zeit jener Epoche sind gleichwohl aufrecht und lebendig geblieben, haben den Stürmen der Kunstrevolutionen, die wahllos über Gutes und Schlechtes hinwegfegten, rühmlichst Widerstand geleistet. Eines dieser seltenen Wahrzeichen aus alter Zeit, das uns nicht bloß Musikgeschichtliches ZI! sagen, sondern immer noch genug an unmittelbarer Wirkung zu bieten hat, ist Halevys „Jüdin". Natürlich fehlt es auch hier nicht an verblaßten, verstaubten und vermoderten Stellen; aber sie schließen operndramatische Höhepunkte von unverbrauchter Kraft und Schönheit ein. Die pathetische Tatsache des religiösen Konflikts, daß jüdischer und christlicher Glaubenstrotz in unmenschlicher Starrheit einander gegenüberstehen, läßt uns ziemlich unbeteiligt. Aber dazwischen ist Raum für ein rührendes Menschenschicksal, das sich in gefühlvollen Opernmelodien wiederspiegelt; und diese dürfen, als Ausdruck wahrer, erlebter Ergriffenheit, auch heute noch auf echte und unmittelbare Wirkung rechnen.
Die Erstaufführung der „Jüdin" fand in Paris am 23. Februar 1835 statt. Es war die Glanzzeit der französi-
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