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Die neue Welt und die neue Kirche.
In der Madison Avenue in New York steht die Sankt Patrick's-Kathedrale. Sie ist ein großes Gotteshaus. In vergangenen Jahrhunderten wäre eine solche Kirche der alles überragende „Hirte" der Stadthäuser und ihrer Bewohner gewesen. Nicht so in der modernen Großstadt New York. Dort steht die Kathedrale beinahe wie eine Spielzeugkirche zwischen vielfenst-rigen riesigen Hochhäusern, in denen Tausende von Menschen in Geschäften und Büros arbeiten. An diesen Hochhäusern wird ständig gebaut, erweitert und geändert.
Die Sankt Patrick's-Kathedrale in der Madison Avenue in New York ist ein Bild fiir die Lage der christhchen Kirchen in der modernen Welt.
Nichts mehr daran ist groß, wenn man unter diesem Wort nur Riesenzahlen, pohtische Macht und äußere Pracht versteht. Nicht-christhche Kulturen und Rehgionen rücken immer stärker ia den Vordergrund. Die Kirchenführer spielen im pohtischen Leben längst keine entscheidende Rolle mehr, und die Zeiten, in denen beinahe in jeder Straße
eine Kirche oder eine Kapelle stand, sind vorbei.
Die Christen von heute fühlen sich nicht mehr so wie früher als Schafe einer gut gehüteten Herde. Sie überlassen den Bischöfen und den Priestern nicht mehr die ganze Arbeit und alle Verantwortung. Die Christen unserer Tage nehmen einen Teil der Arbeit und der Verantwortung auf sich. Sie sind selbständiger geworden, sie wissen, daß keine mächtigen Großkirchen mehr hinter ihnen stehen. Sie erinnern sich immer deutlicher an das Christuswort: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Matthäus, Kapitel 18, Vers 20).
In der Sankt Patrick's-Kathedrale in New York sieht man immer wieder „zwei oder drei" zusarmnenstehen. Schwarze imd Weiße, Junge imd Alte, auch Kinder, Männer und Frauen. Sie unterhalten sich über ihre Sorgen, ihre kleinen Freuden, über ihre Pläne. So ist in der MiUionenstadt und an vielen anderen Punkten in der Welt die Botschaft Christi weiter lebendig, nicht mehr so sehr strahlendes Licht von „hohen Bergen" oder „Tünnen" herab, sondern warme Glut, weiter unten, mitten im Alltagsleben, unauffaUig, aber kräftig und all denen nahe, denen Jesu ganze Liebe und Aufmerksamkeit galt: den Benachteiligten, Notleidenden, Verängstigten und Traurigen.