Bővebb ismertető
Unter der Signatur MH 12000 verwahrt die an Schätzen reiche Musiksammlung der Wiener Stadtbibliothek eine ihrer kostbarsten Handschriften, Johann Strauß' Originalpartitur seiner am 5. April 1874 uraufgeführten Meisteroperette „Die Fledermaus". Der Inhalt dieses Bandes darf — spätestens seit die mit Unterstützung der Stadt Wien erscheinende Gesamtausgabe der Werke Johann Strauß' zum Zentenarium jenes denkwürdigen Premierentages die wissenschaftlich revidierte „Fledermaus"-Partitur vorlegte — als allgemein bekannt gelten. Nunmehr scheint das Jahr 1975, in welchem der Geburtstag des Walzerkönigs zum 150. Male wiederkehrt, der würdige Anlaß, den Musikfreunden aus aller Herren Ländern zusammen mit der Strauß-Ausstellung der Wiener Stadtbibliothek auch das äußere Bild jenes Autographs zumindest in einem charakteristischen Ausschnitt zugänglich zu machen.
Hiefür bietet sich, vor allen anderen Nummern des 413 Seiten umfassenden Manuskripts, die Ouvertüre an; gehört sie doch auch außerhalb des Theaters zu den am häufigsten gespielten Werken des Wiener Meisters und verbindet, unabhängig vom gesungenen Text, in origineller Formgebung die wichtigsten Themen der Operette zu einem nahtlosen Ganzen — solcherart ebensosehr eine konzentrierte Zusammenfassung des turbulenten Bühnengeschehens wie ein durchaus selbständiges, davon unabhängig zu genießendes Tonstück. Der mitreißende Schwung der Musik spiegelt sich auch in der Handschrift wider. In inspirierter Eile mit der Feder zu Papier gebracht, trägt sie alle Züge einer ersten Niederschrift, spart nicht mit Abkürzungen und setzt oft nur die nötigsten dynamischen Zeichen. So häufig dabei einerseits Rasuren aller Art von intensiver Ausarbeitung im Detail zeugen, so unbeirrt erweist sich andererseits die Klarheit der schöpferischen Gesamtvorstellung: Abgesehen von einer einzigen formalen Retusche —'^wei auf Seite 7 eingeklebte Takte der aufwärtsstürmenden Geigen — steht die ganze Komposition wie aus einem Guß vollendet da. Ihre Aufzeichnung darf daher, von unbedeutenden Flüchtigkeiten abgesehen, die volle Anerkennung als endgültige Formulierung beanspruchen, auch wenn, wie dies bei Strauß die Regel ist, keine autographe Reinschrift existiert.
Was Johann Strauß' einzige Oper „Ritter Päsmän" allen Bemühungen ihres Schöpfers zum Trotz nicht erreichte, das fand seine „Fledermaus" gleichsam spielerisch: eine dauernde Heimstatt in den angesehensten Opernhäusern der Welt. Aber nicht nur deshalb wird der mit der Straußschen Biographie Vertraute gerade diese als musikalischen Inbegriff überschäumender Lebensfreude gepriesene Partitur mit Rührung betrachten. Es war ebendiese Ouvertüre, bei deren „persönlicher Leitung" als Auftakt einer „Fledermaus"-Vorstellung in der Wiener Hofoper am 22. Mai 1899 der Komponist sich den Keim jener Krankheit holte, die wenige Wochen später hinter sein irdisches Wirken den unwiderruflichen Schlußakkord setzen sollte .