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Vorwort
Der berühmteste unbezahlte Job der Welt
Am 12. Februar 1815 verließ eine Kutsche die russische Hauptstadt St. Petersburg und begann eine Reise quer durch einen unter eisiger Kälte fröstelnden und von einem Vierteljahrhundert der Kriege verheerten europäischen Kontinent. In dem ungefederten, wenig Bequemlichkeit verheißenden Gefährt befand sich die vierzigjährige Louisa Catherine Adams mit ihrem achtjährigen Sohn, einem ältlichen französischen Kindermädchen und zwei Dienern. Louisa Adams war die Frau eines hochrangigen Diplomaten aus einem an der Peripherie des Weltgeschehens liegenden Land, den Vereinigten Staaten von Amerika, die als Nation fast genau so alt (oder jung) waren wie Louisa selbst. Ihr Mann, John Quincy Adams, hatte sie aufgefordert, zu ihm nach Paris zu kommen, wo er sich nach Ende seiner Mission, der Beendigung eines für beide Seiten verlustreichen wie unnötigen Krieges mit Großbritannien, aufhielt. Mühsam bewegte sich die Kutsche über die tief verschneiten Weiten Russlands. Die Monotonie der Landschaft wurde immer wieder unterbrochen von ausgebrannten Dörfern, liegengelassenen Pferdewagen, zerstörten Kanonen und Gräbern - unzähligen Gräbern. Louisa und ihre Begleitung folgten den Spuren jenes Hasardspieles, zu dem sich Napoleon mehr als zwei Jahre zuvor hatte hinreißen lassen, der Invasion des Zarenreiches, und das für hunderttausende französische Soldaten und zwangsverpflicbtete europäische Hilfstruppen den Tod bedeutet hatte. Die kleine Gruppe übernachtete in ärmlichen Gasthöfen, in denen sie das nächtliche Geheul der Wölfe immer wieder aus dem Schlaf schreckte.
Obwohl sich einer der Diener als Gauner entpuppte, obwohl die Kälte ihre Nahrungsvorräte inklusive des Madeira-Weines gefrieren ließ -Louisa fürchtete sieb nicht und sie ließ sich nie auf der Dreitausend-Kilometer-Fabrt entmutigen. Zu groß war die Sehnsucht nach John (trotz dessen Verschrobenheit), vor allem aber nach ihrer Heimat. Nach dem Elend und der Verwüstung, die sie in der Alten Welt erlebt hatte, sehnte sie sich nach der Behaglichkeit von Boston, der Sauberkeit von Philadelphia, ja, selbst der liebenswerten Provinzialität der Hauptstadt Washington, die vor kaum zwanzig Jahren erst nach einem grandiosen Plan aus dem Boden gestampft worden war. Falls Louisa nicht schon vor-