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I. Denken, wenn die Nacht hereinbricht
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Ich zeige hier einen Descartes, wie ich ihn sehe. Hoffen wir, daß dieses Portrait genausoviel Wahrheit enthäh wie die Portraits der großen Kommentare, von denen keines mich ganz befriedigt - so werde ich allen gerecht. Sicher ist, daß das, was sie mich gelehrt haben, eine Herausforderung ist — die Anforderungen, was die Exaktheit in der Würdigung der Texte anbelangt, das Bestreben, ohne Affekt und Vorurteil zu verstehen, Sachhchkeit, Korrektheit in der Beachtung aller Regeln einer akademischen Studie. Das hindert meinen Descartes nicht, auf meine Fragen, die nicht die seinen waren, zu antworten. Ist das nicht die Regel des Spiels? Hat ein Philosoph denen, die ihn nach seinem Tode lesen, um sich angesichts von Umständen, die er nicht voraussehen konnte, zurechtzufinden, nichts zu sagen?
Wie soll man nach Auschwitz Gedichte schreiben? Wem glauben? Was soll man vernünftigerweise von der Menschlichkeit des Menschen und seinem In-der-Welt-Sein halten? Die von Adorno' gestellte Frage macht Generationen in Europa zu schaffen und bedrängt uns mehr als unsere fassungslose Erinnerung. Sie isttiefins Zeitgeschehen verwickelt, ein glühender Punkt. Sie ist wie etwas, über das man nicht hinweg kann, etwas Schreckhches, das insgeheim auf allen fünf Kontinenten am Werk ist. Man begeht Terrorakte im Namen des einen Gottes. Man zerstört unter Berufung auf die strahlende Zukunft. Die besten Absichten führen zu den schlimmsten Blutbädern, über die aus noch besserer Absicht heraus geschwiegen wird. Die Abendnachrichten erinnern täglich daran, daß Vernichtungslager ständig möglich sind, da sie einmal möghch waren. Es ist zwecklos, sich etwas vorzumachen. Was ein-