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EINLEITUNG
Namen, Einteilungen und Inhalt
Die ersten fünf Bücher dej Bibel bilden ein Ganzes, das von den Juden die tora „Gesetz, Weisung" genannt wird. Das erste sichere Zeugnis für diesen Ausdruck findet sich im Vorwort des Buches Jesus Sirach; zu Beginn unserer Zeitrechnung war er gebräuchlich, so im Neuen Testament Lk IO26; vgl. Lk 2444. Die hebräisch sprechenden Juden nannten den ersten Teil ihrer Bibel auch „Die fünf Fünftel des Gesetzes"; dem entsprach in den griechisch sprechenden Kreisen: hepenta-teuchos (zu ergänzen: biblos) „das aus fünf Büchern bestehende (Buch)", was lateinisch zu pentateuchus (zu ergänzen: liber) - daher das deutsche „Der Pentateuch" - wurde.
Diese Einteilung in fünf Bücher wird vor unserer Zeitrechnung durch die grie-chische Bibelübersetzung, die Septuaginta (G), bezeugt. Sie bezeichnete die Bücher nach ihrem Inhalt: Genesis („Entstehung" der Welt und des Menschen), Exodus („Auszug" der Israeliten aus Ägypten), Leviticus (Gesetz der Priester des Stammes Levi), Numeri („Zählungen" der wehrfähigen Männer Israels, Kapitel 1-4), Deuteronomium („zweites Gesetz" nach einer griechischen Deutung von Dt 17i8); die Kirche übernahm diese Namen. Im Hebräischen aber bezeichneten und bezeichnen die Juden noch heute jedes Buch mit dem ersten oder dem ersten wichtigen Wort seines Textes.
Das Buch Genesis gliedert sich in zwei ungleiche Hauptteile: Der Heilsgeschichte, von der die ganze Bibel spricht, ist einem Eingangstor gleich die Urgeschichte, l-l 1, vorgebaut; sie greift zurück auf die Anfänge der Welt und hat die ganze Menschheit im Auge. Sie erzählt die Erschaffung des Weltalls und des Menschen, den Sündenfall und seine Folgen, die wachsende Verderbtheit des Menschengeschlechts und dessen Bestrafung durch die Sintflut. Von Noach ausgehend, wird die Erde wieder bevölkert, dann aber konzentriert sich in immer stärker eingeschränkten Geschlechterlisten das Interesse schließlich auf Abraham, den Vater des auserwählten Volkes. Die Patriarchengeschichte, 12-50, zeichnet die Gestalt der großen Stammväter: Abraham ist der Mann des Glaubens; Gott belohnt seinen Gehorsam, verheißt ihm Nachkommenschaft und seinen Nachkommen das Heilige Land, 12i - 25i8. Jakob ist der Mann der List; er verdrängt seinen Bruder Esau, erlistet von seinem Vater Isaak den Segen; seinen Onkel Laban übertrifft er noch an Verschlagenheit. Aber seine ganze Gerissenheit nützte ihm nichts, wenn nicht Gott ihn schon vor seiner Geburt dem Esau vorgezogen und ihm Verheißungen und Bund, die er Abraham schenkte, erneuert hätte, 2519-36. Zwischen Abraham und Jakob verblaßt die Gestalt Isaaks, dessen Leben zumeist im Zusammenhang mit dem seines Vaters oder seines Sohnes erzählt wird. Die zwölf Söhne Jakobs sind die Stammväter der zwölf Stämme Israels. Einem aus ihnen ist der ganze Schlußteil des Buches Genesis gewidmet: Kapitel 37-50 bilden die Lebensgeschichte Josephs, des Mannes der Weisheit. Die Josephsgeschichte unterscheidet sich deutlich von den anderen Vätererzählungen; sie verläuft ohne sichtbares Eingreifen Gottes und ohne neue Offenbarung; sie will vielmehr die Lehre einprägen, daß die Tugend des Weisen belohnt wird und daß Gottes Vorsehung menschliche Schuld zum Guten zu wenden weiß.