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Wbnun es geht
Hätten es die Menschen vermocht, ihre Beziehungen stets friedlich zu regeln, die Produkte ihrer Hände Arbeit sowie ihre geistigen Güter freundschaftlich und gerecht auszutauschen, in gegenseitiger Achtung zu (eben, so gäbe es vermutlich keinen Stoff zu dem vorliegenden Buch.
Da die Geschichte des Mittelalters eine große Chronik unablässiger, blutiger Fehden ist, könnte es widersinnig erscheinen, daß ein Stand der Gesellschaft um die Jahrtausendwende zu humanitären Ideen fand, obgleich es seine ureigenste Bestimmung war, dem Krieg zu dienen. Über politische Differenzen hinweg verband das Ritterideal die Elite der Krieger in einer exklusiven Gesellschaft, der die moderne Welt den Begriff der Ehre, der Ritterlichkeit und des Anstands verdankt.
Zwei gegensätzliche, in ihrem Wesen verschiedene Erscheinungen, der Ritter als Herrscher (im großen und kleinen Bereich), als Führer, Ordner und Bewahrer und der Ritter als Krieger und Zerstörer bilden die beiden Gesichter dieses Januskopfes. Wir sehen in der Geschichte des Rittertums eine von Begeisterung getragene Bewegung, die zu gehobener Menschenwürde strebte. Obwohl das Ideal an den Mängeln der menschlichen Natur scheiterte, ging die Idee trotz aller Veränderungen in ihrer Substanz nicht verloren; stärker als irgendeine andere Vorstellung wurde das Ritterideal, von einer Gruppe Bevorrechteter ausgehend, von allen Schichten und Ständen der europäischen Völker übernommen, In der von Hoch und Nieder noch heute geübten Courtoisie, in den Anstands-regeln, den Höflichkeitsformen, in der Rücksichtnahme bei Spiel und Verkehr, im Begriff des Kavaliers - und sei es auch nur in dem vom Kavalier am Steuer
- lebt der Tugendkodex des Rittertums weiter, obwohl nur traditionelle Gemeinschaften wie der Jo-hanniterorden oder aber Zerrbilder wie der Don Quijote oder Karl Valentins Grünwalder Rittersleut' übrigblieben.
Bevor wir jedoch die deutsche Ritterschaft in ihrem Wesen, ihren Zielen, ihren Idealen, mit ihren Mitteln und Werken darstellen können, müssen wir die Wurzeln freilegen, aus denen dieser Baum wuchs, wir müssen Umstände und Gegebenheiten erörtern, die im Ablauf der Geschichte dem Ritterwesen in Deutschland lange vorhergingen, um zu erkennen, wie es zu dieser gesellschaftlichen, politischen und militärischen Entfaltung einer für die europäischen Völker jahrhundertelang gültigen und bestimmenden Ordnung kommen konnte.
Doppelseite vor dem Titel:
Tirol/Etsch, auf einer Felszunge über dem Tal. 1141 erstmals genannt, Gründung der Grafen von Vintschgau, die sich nach der Burg benannten. Der Name der Stammburg übertrug sich auf das ganze Land. Gegenüber dem Titel;
Seeber)stein/Pitten, 1170 erstmals genannt als Sitz der Wildensteiner, Ministerialen der Babenberger. Gegenüber dem Inhaltsverzeichnis:
Porta Nigra, Trier, um 180 n. Chr., Nordtor der befestigten Römerstadt
Augusta Treverorum.
Gegenüber;
Der Minnesänger Herr Hartmann von Aue aus Große Heidelberger Liederhandschrift, nach 1300 entstanden.