Bővebb ismertető
Der vorliegende Interpretationsband sieht sich vor eine doppelte Aufgabe
gestellt: es geht ihm einerseits um eine wissenschaftlich stichhaltige Inter-
pretation, zum andern um die Wege einer sinnvollen Erschließung und
Verwertung ihrer Ergebnisse für die Schulpraxis. Der Deutschunterricht
steht heute vor der Notwendigkeit, das alte Mißverständnis, beides sei un-
vereinbar, weil Wissenschaft und Schule sich in völlig verschiedener Weise
um die Dichtung bemühen müßten, endgültig über Bord zu werfen. Einer
didaktischen Neubesinnung, wie sie gegenwärtig immer mehr als notwendig
erkannt und gefordert wird, kann es nicht verborgen bleiben, daß zwar die
Zielsetzung literarhistorischer Forschung eine andere ist als die pädago-
gische der Schule, die eigentlich dichterische und künstlerische Substanz
aber, um die es jeder Auslegung letzten Endes gehen muß, wenn sie sich
nicht selbst aufheben will, — für beide die gleiche bleibt. Auch für den
Deutschlehrer, dem es nicht nur um die Sinnerhellung des Kunstwerks,
sondern auch, um deren erzieherische Aufgabe innerhalb seines Bildungs-
auftrags zu tun ist, kann nicht einfach irgendwelche am Rande liegenden
menschlichen Gehalte einer Dichtung pädagogisch präparieren. Jedes Bil-
dungsbemiihen im Umgang mit Dichtung wird nur dann wesentlich sein
können, wenn es das »Bildungsgut« verbindlich, d. h. in seinem eigentli-
chen Wesens- und Sinngehalt verfügbar macht. Das aber leistet nur die
gültige Interpretation.
Wenn hier versucht wird, vier Novellen des 19. Jahrhunderts für die
Schule zu interpretieren, so ist den Verfassern jene doppelte Aufgabe stän-
dig bewußt: es ist das zentrale Problem dieser Auslegungsversuche, die wis-
senschaftlich verbindliche Interpretation didaktisch und methodisch für die
Schule zu erschließen, ihren besonderen Bedingungen anzupassen und für
ihre pädagogische Zielsetzung fruchtbar zu machen. Insofern will das hier
Versuchte mehr sein als bloße Anregung und Handreichung; es will dem
Deutschlehrer bestimmte konkrete Wege zeigen, die zum Schüler hin und
zugleich nicht von der Dichtung zueg führen; es will ihm helfen bei einer
Arbeit, die sinnvoll kaum von einem Einzelnen mehr zu bewältigen ist.
Zwei der hier in Frage stehenden Novellen fallen in jene zwei Jahrzehn-
te des Umbruchs und einer tiefgreifenden Neuorientierung in allen Lebens-
bereichen, die das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts heute als die Epoche