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Das Reich der Aufgehenden Sonne
Eingeengt auf einem Boden, der weder an Nahrung noch an Bodenschätzen viel hergibt, war das japanische Volk durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 äußerst hart getroffen worden. Um seine stetig wachsende Bevölkerung zu ernähren - der Geburtenüberschuß betrug fast eine Million Menschen pro Jahr -und um die Weiterentwicklung der neuen, lebenswichtigen Industrien zu garantieren, benötigte das japanische Reich dringend weitere Absatzmärkte und auch Rohstoffe.
Nun hatten aber viele Länder, die ebensosehr unter der weltweiten Krise litten, hohe Zollschranken errichtet, mittels deren sie ihre eigenen Industrien zu schützen versuchten, so daß die bis dahin von der japanischen Regierung vertretene Politik des „gewaltlosen Eindringens" kläglich scheiterte.
In Tokio, Jokohama und in allen anderen Industriezentren des Landes herrschte Arbeitslosigkeit. Ein Bankrott folgte dem andern, und die liberale japanische Regierung stand der Krise zunehmend hilfloser gegenüber. Es gelang ihr nicht mehr, die wachsende Opposition niederzuhalten, die eine wirkungsvollere und dem Kaiserreich mehr zum Ruhme gereichende Politik forderte.
Die Militärs, im Augenblick zwar noch durch ein schwaches Parlament von der Macht getrennt, versuchten immer mehr, ihren traditionellen Einfluß auf den Staat zurückzugewinnen oder wenigstens die Politik im Sinne wirtschaftlicher Interessen und kriegerischer Samuraitradition zu beeinflussen.
Der Mann auf der Straße reagierte auf Grund der Krise sehr viel empfindlicher als sonst auf solche politischen Bewegungen und bildete fast gezwungenermaßen ein äußerst dankbares Publikum für diese Leute, die von leichten Eroberungen, neuen Absatzmärk-
ten und einer „Politik des nationalen Prestiges" sprachen, die Japan >nach vorm brächte.
Japans Imperialismus auf dem Vormarsch
In den dreißiger Jahren war China eine verlockende Beute für den japanischen Imperialismus. Schwach und zudem in kommunistische und nationalistische Einflußsphären aufgesplittert, konnte es mit den Streitkräften Marschall Tschiang Kai-scheks allein einen plötzlichen Angriff nicht zurückschlagen. In konservativen Kreisen Japans kam nun auf Betreiben der Militärs die Idee auf, die eigene Regierung und die anderen Mächte einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Am 18. September 1931 fielen japanische Truppen, ohne daß ihre Regierung davon wußte, in die Mandschurei ein und besetzten Mukden; als Vorwand diente ein chinesischer Sabotageakt auf die japanische Eisenbahnlinie in der Südmandschurei. Die chinesischen Garnisonen wankten, innerhalb von zwei Tagen fiel die ganze südliche Mandschurei in die Hände der japanischen Truppen. Ende Januar 1932 war die Mandschurei erobert.
Angesichts dieser offenkundigen Verletzung des Völkerrechts appellierte China an den Völkerbund, der die Japaner nach komplizierten Debatten aufforderte, ihre Truppen zurückzuziehen. Als die Armeen ihren Vormarsch dennoch fortsetzten, wagte der Völkerbund nicht, Sanktionen gegen den Angreifer zu verhängen, und gab sich damit zufrieden, Japans Politik „moralisch" zu verurteilen. Die Vereinigten Staaten allerdings sahen ihre wirtschaftlichen Interessen unmittelbar bedroht und faßten finanzielle Repressalien ins Auge. Infolge ihrer eigenen inneren Schwie-
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