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Ich fühlte mich wie ein Schwerverwundeter, als ich die Treppehinaufstieg und die Tür zu der Wohnung im zweiten Stockaufmachte, die ich gerade erst an diesem Morgen gemietet hat-te. Wohnung? Wohl eher ein möbliertes Zimmer mit Kochge-legenheit und mit Wänden so dünn, daß man vom Nebenbe-wohner ein Gesundheit! erwarten konnte, wenn man nieste.Ich starrte auf den Sessel und das Schlafsofa. Ein Gast hättehier Überfüllung bedeutet.Die Nachmittagshitze legte sich schwer auf den Geruch, dendie verwohnten Möbel ausströmten, und trug den Lärm derheruntergekommenen Geschäftsstraße zu mir herauf. Ichkonnte den Ekel beinahe schmecken, der in mir hochkam.So fing mein Leben als wieder alleinstehender Mann an.Zwei Abende zuvor waren meine Frau und ich uns endgültigklargeworden, daß wir ein gemeinsames Leben nicht längeraushalten konnten. Hastig gepackte Koffer, zugeknallte Türen,zwei Nächte bei einem Freund, und hier stand ich nun undstarrte voll Verzweiflung auf die Küchenwand meines neuenZuhause. Und plötzlich wurde mir mit aller Deutlichkeit be-wußt, was ich getan hatte, und das machte mir Angst. Wiekonnte ausgerechnet ich - ein Berufs- und Familienberater - ineine solche Lage hineinschlittern? Was hatte mich nur dazu ge-bracht, nach vierundzwanzig Jahren Ehe mit einer anziehen-den und intelligenten Frau und zwei reizenden halbwüchsigenTöchtern alles aufzugeben? Wozu hatte ich mit fünfzig Jahrenein großes, gemütliches Haus in einer ruhigen und elegantenVorortstraße verlassen? Hierfür vielleicht?In dieser Wohnung - einige Kilometer und mehrere Weltendavon entfernt, wo ich früher gelebt hatte - fühlte ich mich als