Bővebb ismertető
VORWORT
Über diese Neuausgabe
Nun hat auch diese Sammlung deutschsprachiger Lyrik bereits ihre Geschichte. Zur Buchmesse 1977 erschien, dank der Unternehmungslust des damaligen Athenäum Verlags, unter dem offenbar werbeträchtigen Titel Das große deutsche Gedichtbuch ein voluminöser Band von über 1000 Seiten. Anders war die Idee, die sich in Überlegungen mit der Verlagsleitung entwickelt hatte, nicht in gedruckte Wirklichkeit umzusetzen: eine füilige Dokumentation der Geschichte der deutschsprachigen Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart zu schaffen. Die Edition wurde vom Publikum freundlich angenommen und kletterte auf den Verkaufslisten rasch in beachtliche Höhen. Amüsant spöttelnde Rezensionsüberschriften blieben verständlicherweise nicht aus: »Lyrik, das Kilo zu fünfzehn Mark« titelte Aci Mannheimer Morgen (Hanspeter Brode), und Peter Rühmkorfs große Besprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (10. 12. 1977) war überschrieben: »Eine Wundertüte deutscher Poesie«.
In einem knappen Vorwort skizzierte ich 1977, worauf ich zielte: Die Anthologie sollte weit mehr bieten als die bekannten und im Gedächtnis der Lyrikliebhaber haftenden Stücke, nämlich eine reichhaltige Sammlung der zahlreichen und unterschiedlichen >Spielarten< deutschsprachiger Lyrik. Auch was dem Leser fern und fremd sein mochte, hatte in dem Band Platz zu finden. Ediche >Konterbande< steckte ich mit hinein: politische, revolutionäre Texte, die manche als )echte Lyrik nicht recht anerkennen woll(t)en. Diese Absicht galt auch für die revidierte Fassung 1991 und ist unverändert verbindlich für die vorliegende Neuausgabe 2000. Nur möchte ich, zum letzten Mal dieses Gedichtbuch edierend, im neuen Vorwort das Vorhaben und seine Ausführung detaillierter als bisher begründen und erläutern.
Zunächst noch etwas weiter in der bisherigen Geschichte des Buchs. Als sich Ende der achtziger Jahre der Athenäum Verlag nicht mehr halten konnte, erwarb der Artemis 8L Winkler Verlag (damals München und Zürich) die Rechte an dem Band. Da eine Gedichtanthologie, die bis zur jeweiligen Gegenwart führt, sozusagen ein >work in progress<, eine Schöpfung in beständigem Fortschreiten, bleibt, wurde 1991 die Sammlung neu konzipiert: Sie sollte nun bis an die Schwelle der neunziger Jahre führen, also bis in jene Zeit, als im November 1989 die Mauer gefallen, die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten durchlässig geworden und am 3. Oktober 1990 die neue deutsche Einheit besiegelt worden war.
Mit der Neukonzeption waren Schwierigkeiten verbunden. Denn der Umfang des Buchs musste begrenzt bleiben. So verzichteten wir, unter Bedenken und Bedauern, auf die alt- und mittelhochdeutschen Beispiele und reduzierten auf die Zeit von 1500 bis zur Gegenwart. Da musste ich manches neu ordnen und manches unter dem Zwang zur Straffiing sogar streichen, gewann damit freilich wie vorgesehen den gewünschten Raum, damit der Anteil der Gedichte aus der neuesten Zeit wachsen konnte. Das alles ging nicht immer ohne Freveltaten ab.' Doch erwies sich der Band von 1991 (mit dem Untertitel »Von 1500 bis zur Gegenwart. Neu herausgegeben und aktualisiert von K. O. C.«) als die erwünschte beachtenswerte Sammlung deutschsprachiger Lyrik.
Vor einiger Zeit nun entschloss sich der Artemis & Winkler Verlag, der seit 1995 im Patmos Verlagshaus in Düsseldorf beheimatet ist, eine neuerliche Ausweitung zu ermöglichen, um eine maßgebliche Auswahl aus dem gesamten Inventar deutschsprachiger Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart in einem einzigen Band zusammenzufassen. Das bedeutete immerhin.