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Ein elfjähriger Knabe schlich sich durch den Garten der Le-pida. Der Regen strömte in Güssen auf ihn herab. Der braune Sklavenmantel, der ihm bis auf die Füße reichte, färbte sich auf den Schultern in breiten Flecken dunkel vor Nässe und auf der Brust im Tupfenmuster dunkel vor Tränen.
Das Gebüsch rauschte nah und schaurig, so daß der Knabe vor Angst zu laufen begann. Aber als der Hund Argos im Häuschen des Torwächters zu bellen anhob, erstarrte er vor Schreck und verharrte lange in einem Tümpel hockend, weil er gelesen hatte, daß die Bluthunde im Wasser die Spur verlören. Er haßte den Hund Argos und in ihm alle Hunde der Welt.
Jetzt endlich erreichte er das Palasttor.
Es war hoch und bronzen und alt. Sein mächtiger Riegel lief in Haspen über die ganze Flügelbreite. Der Knabe legte seinen lode-nen Mantel um den Griff und zog und zerrte mit aller Kraft an ihm. Er keuchte, seine Zunge trat zwischen den Zähnen vor, seine regennasse, sehr schmutzige Hand glitt ab, und er scheuerte sich an einer der gehämmerten Verzierungen die Fingerknöchel blutig. Vor Schmerz und Zorn und Mitleid mit sich selber begann er zu weinen, riß die runde Hand an den Mund und sog das Blut fort.
Seine Stirn, an der die nassen roten Haarsträhnen klebten, sank an die eisige Bronze.
Er wußte nicht, was furchtbarer sei, hier draußen in Nacht und Regen und in des Hundes Argos Bereich noch länger zu verharren oder in sein »Heim« zu Drumio zurückzukehren. Er dachte schluchzend: »Wäre ich doch schon endlich groß, um sterben zu können!« Er dachte: »Paris!« und »Hunger«.
Es schien Ewigkeiten, seit Paris von ihm gegangen war. Er hatte sich über das Bett des schlaftrunkenen Knaben geneigt, um die Decke am Fußende noch hübsch festzustopfen, und gesagt: »Sei brav, Kleiner. Morgen, nachts, wenn du aufwachst, bin ich wieder da.«
Aber die nächste Nacht war gekommen und die tastende Knabenhand hatte nicht an Paris' gestört fortzuckende Schulter gerührt. Drumios trunkenes Schnarchen und die wilde Angst hatten ihn wach gehalten - die alte Angst, daß Paris nicht mehr wiederkehren könnte. Vielleicht sah der Leiter einer Pantomimengruppe seinen Faunentanz und kaufte Paris frei?! - Vielleicht hatte Paris heimlich schon mehr Geld gespart, als er zugab, und konnte sich sel-
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