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1/ Eine Wildnis aus Stein
Die Szenerie ist so unheimlich und einsam und in ihrer Neuartigkeit so unfaßbar, daß man das Gefühl hat, niemand könne sie je zuvor erblickt haben.
FREDERICK S. DELLENBAUGH/ THE ROMANCE OF THE COLORADO RIVER
Es gibt auf Erden keine erstaunlichere Landschaft als den Grand Canyon im amerikanischen Bundesstaat Arizona. Steht ein Mensch zum ersten Male an seinem Rand und läßt die Bildeindrücke des Canyon in seine Vorstellungswelt eindringen, dann reagiert das Gehirn wie ein falsch programmierter Computer und signahsiert „Material unannehmbar" oder „zurückweisen". So jedenfalls reagieren die Gehirne der meisten Menschen, ausgenommen die der Indianer des Südwestens, die den Grand Canyon schon seit undenklicher Zeit vor Augen haben. Die meisten Amerikaner jedoch sind europäischer Abstammung; ihre Vorfahren haben ihnen ganz andersartige Vorstellungen darüber vererbt, wie eine Landschaft sein sollte und wie nicht. Sie sollte relativ bescheidene Farben und Umrisse zeigen. Sie sollte einige Zurückhaltung an den Tag legen. Sie sollte keine purpurnen Abgründe haben, keine scharlachroten Klippen und steinernen Regenbögen unter einer Sonne, die wie eine Zimbel durch den Himmel klingt.
Der Grand Canyon ist 446 Kilometer lang, anderthalb Kilometer tief und 29 Kilometer breit. Er ist in seiner ganzen Ausdehnung durch Erosion entstanden - durch den Colorado River und die kaum wahrnehmbaren, aber unablässig wirksamen Kräfte von schmelzendem Schnee, Regentropfen und Luft. Jähe Abgründe finden sich hier, Amphitheater, abgeflachte Kegel, Steilhänge, spitze Säulen, Tempel und weitere namenlose Formen in Rot, Gold, Rosa, Grün, Rosttönen, Orange, Violett und noch vielen anderen Farben. Zu verschiedenen Zeiten betrachtet, scheinen sich die Formen innerhalb des Canyon zu bewegen. Gegen Mittag hat es den Anschein, als wichen sie seitlich