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ERSTER TEIL
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Der große Saal
Heute vor dreihundertundvierzig Jahren, sechs Monaten und neunzehn Tagen begab es sich, daß die Pariser durch das Tönen aller Glocken erwachten, die in der alten Lutetia, der Neustadt, und in der Universitätsstadt gewaltig läuteten. Dieser sechste Januar des Jahres 1482 war jedoch kein Tag von einer besonderen Bedeutung, und das Ereignis, das die Glocken und die Bürgerschaft schon am frühen Morgen in Bewegung versetzte, nicht besonders aufregend. Weder ein Gefecht mit Picarden oder Burgundern, noch eine feierliche Prozession hinter einem Reliquienschrein, noch eine Revolte von Studenten im Weingarten von Laas oder der Einzug »unseres allergnädigsten Herrn« des Königs, nicht einmal eine lustweilige Hinrichtung von Räubern oder Diebinnen war zu erwarten. Auch keiner der im fünfzehnten Jahrhundert so häufigen Einzüge von mit Federbüschen geschmückten Gesandtschaften stand bevor. Erst vor zwei Tagen war eine solche in Paris eingetroffen, die den Auftrag hatte, die Heirat zwischen dem Dauphin und Margarete von Flandern zu vermitteln, und das sehr zum Verdruß des Kardinals von Bourbon, der, dem König zu Gefallen, diese Gesellschaft von einfältigen flämischen Bürgermeistern mit freundlicher Miene empfangen und in seinem Palast mit »gar schönen moralischen Possenspielen« unterhalten mußte, während der gleichmäßig fallende Regen seine vor dem Portal ausgelegten Teppiche durchnäßte.
Was — wie Jean de Troyes sagt — am sechsten Januar alles, was Beine hatte, in Bewegung setzte, war das Zusammenfallen von zwei Festivitäten, dem Heiligendreikönigstag und dem Narrenfest. Da wurde nun auf dem Greveplatz ein Freudenfeuer abgebrannt, bei der Kapelle von Braque ein Maibaum aufgestellt und ein Mysterienspiel kam im Justizpalast zur Aufführung, wie die Boten des Monsieur Prevot in ihren veilchenblauen Samtwämsen, die große weiße Kreuze aufgestickt trugen, unter dem Lärm von Posaunen am Vortag verkündet hatten.
Die Bürger und Bürgerinnen hatten ihre Verkaufsläden geschlossengehalten und waren schon am frühen Morgen zu einem der drei genannten Plätze geeilt. Zur Ehre des gesunden Menschenverstandes der Pariser sei gesagt, daß die meisten in Anbetracht des schlechten Wetters entweder zu dem unter Dach stattfindenden Theaterspiel oder nach dem Freudenfeuer eilten und den Maibaum bei der Kapelle von Braque einsam seine Bänder in der kalten Luft flattern ließen. Am meisten drängte sich die Menge vor dem Justizpalast, weil man wußte, daß dort die Wahl des Narrenpapstes in Anwesenheit der flämischen Gesandtschaft stattfinden würde. Es war aber nicht einfach, in diesen Saal zu gelangen, der damals als der größte der Welt galt. Den Zuschauern aus den Fenstern erschien der Anblick des
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