Bővebb ismertető
Wir befanden uns immer auf gleicher Höhe im Verhält-nis zum Schnee auf dem Berg gegenüber. Ein eigenartigesreines Blau war über die Hügel rechts und links hingebrei-tet. Es war Wind aufgekommen, aber jetzt war alles unbe-weglich. Staub in den Farben des Regenbogens dampfteüber dem fernen Ufer, wo die Ortschaften wie Gruppenkleiner weißer Punkte anmuteten.Auf der Erdoberfläche, d.h. auf dem See, stützte sich einBoot mit orangefarbenen Segeln zerbrechlich auf das tief-blaue, von Gischt durchzogene Wasser. Eine Frau stiegrasch den Hang des Hügels herab, zwei Ziegen und einSchaf vor sich hintreibend. Ein Mann pfiff zwischen denOlivenbäumen. Ich saß und schaute auf den See. Er warschön wie das Paradies, wie am ersten Schöpfungstag. Anden Ufern erhoben sich melancholisch und zerfallen diePfeiler der Zitronenpflanzungen, und die grob gearbeitetengeschlossenen Treibhäuser schienen verrotteter alterKram inmitten der dichten Rebenbestände und der Oliven.Auch die Siedlungen, um ihre Kirchen geschart, schienender Vergangenheit anzugehören. Sie schienen in vergan-genen Jahrhunderten zaudernd zu verweilen.Für DAVID HERBERT LAWRENCE (1885-1930) war also derGardasee wie am ersten Tag der Schöpfung, und in die-ser Reiseaufzeichnung des britischen Schriftstellers liegtder ganze unermeßliche Zauber des Sees, wo das Lichtstark von dem glatten, glänzenden Wasserspiegel zurück-geworfen wird und das Land mit zu verstricken scheint, dasim Westen und im Osten verläuft. Die Gesichtskreise sindweit, hell und zittern in der Ferne; in der überaus klarenLuft zeichnen sich die geschlängelten Ufer ab, geschichts-trächtig und von Sagen umwoben. Es ist eine Welt, dietrotz der stark kontrastierenden Zeugnisse menschlichenDaseins für immer in einem einzigen Morgen voller Frie-den kristallisiert zu sein scheint.Denn hier ist alles fern, aber nicht wild, man empfindetdie Ruhe und das gemächliche Wohlergehen in den Erho-lungsorten der Dreißiger Jahre. Aber die geheimnisvolleHarmonie löst sich bisweilen auf und scheint im Gegen-satz zu stehen zwischen der blauen Gleichmut des Gar-dasees und der geschichtlichen Unterschiedlichkeit sei-ner Küste, die wie ein sterblicher Kranz, durch die Spurenmenschlichen Daseins belastet, der fließenden Unster-blichkeit des weiten Seebeckens entgegensteht. Der auf-merksame Beschauer merkt sogleich, daß zwischen demWasserspiegel und der Küste seit jeher ein wehrloserWechsel von Feindseligkeit und Waffenruhe schwankt. Sosehen wir längs der Küste die ungewöhnlichsten Gebilde;glatte, steil zur Küste abfallende Felsen und weich gewell-