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Ein Bild gibt Rätsel auf
In Dresden liegt an der weithin bekannten Brühischen Terrasse die Gemäldegalerie Neue Meister. Im oberen Stockwerk des Hauses treffen wir auf jenes Kunstwerk, das uns von jetzt an eine Weile beschäftigen soll. Auf dem beschrifteten Kärtchen neben dem Bild ist zu lesen, daß der Schöpfer des 1977 entstandenen Gemäldes »Unterwegs« Dieter Weidenbach heißt, geboren im Jahre 1945.
Im Bildvordergrund erscheint ein junger Mann, hochaufragend bis zum Horizont, links ein Dorf. Die Bauern feiern auf dem Anger ein Fest. Rechts ist eine Stadt zu sehen. Über das Dorf und die Stadt hinweg schweift der Blick tief in die Landschaft. Am Horizont geht die Sonne unter. Der junge Mann betritt soeben die vom unteren Bildrand angeschnittene asphal-derte Straße. Augenscheinlich hat sich in seiner Gestalt der Künstler selbst dargestellt, wandernd, auf der Suche nach Neuem. Wohl deshalb heißt das Bild »Unterwegs«.
Aber zeigt ein Kunstwerk wirklich alles auf den ersten Blick?
Oder setzt das Sichtbare an ihm uns nur auf eine Fährte? Vielleicht sollen wir ihr weiter fol-
gen und ein Ziel erreichen, das der Maler für uns zunächst noch unsichtbar läßt?
Es gibt in Dieter Weidenbachs Gemälde manches, das sich wohl beschreiben läßt, dessen Sinn dennoch rätselhaft scheint:
Was ist das für ein Stab, den der Maler in der einen Hand hält?
Was will er mit dem Kelch?
Was befindet sich in der Tasche, die ihm umhängt? Was sind das für Zeichen darauf?
Was trägt der junge Mann auf seinem Rücken?
Einige dieser Fragen sind leicht zu beantworten. Der Stab in der rechten Hand ist ein Malstock. Ihn gebrauchen die Künstler, um auf einem Staffeleibild mit dem Pinsel gerade Striche zu ziehen. Dazu drücken sie das mit dem Stoffballen umwundene Ende des Stockes gegen den Malgrund. So bietet der Stock ihnen eine Stütze für die pinselführende Hand. Der Kasten, den der junge Mann auf dem Rücken trägt, birgt sein Malwerkzeug.
Ganz deudich zeigt der Maler diese Kennzeichen seines Berufes, als habe er sich darstellen wollen als einer, der unterwegs ist nach neuen Eindrücken für seine Kunst.
Doch warum trägt er während seiner Wanderschaft den Kelch in der Hand?
Dieses Gefäß, so scheint es, soll dem Betrachter ein Rätsel sein, ihn nicht einfach aus bloßer Betrachtung des Bildes entlassen.
Dieter Weidenbach ¦ Unterwegs 1977- Gemälde
Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister