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Zum Buch Venedig: Auf allén Piátzen der Stadt verkünden Lautsprecher, daB sich der Dogé um zwölf Uhr mittags auf der Loggia seines Palastes zeigen wird. Man gerát in Aufregung; schon lange habén die Bürger der Stadt ihren Souverán nicht mehr zu Gesicht bekommen, sie erwarten mit Spannung und Neugier seinen Auftritt. Die Menge versammelt sich frühzeitig auf dem Markusplatz vor dem Palast - doch der Mittag verstreicht, ohne daB der Dogé erscheint. Was ist passiert? Gerüchte und Spekulationen beginnen sich auszubreiten, man ist im höchsten Grade beunruhigt. Als sich dasselbe Schauspiel am náchsten Tag wiederholt, überschlagen sich die Vermutungen, man munkelt von einer Revolution, die Phantasien werden immer wilder. Am dritten Tage soll der Dogé tatsáchlich auf der Loggia gesprochen habén, aber keiner hat ihn gesehen: Alle sind zu Hause geblieben. Eine Fabel auf unsere Zeit, in deren Mittelpunkt nicht ein Protagonist, der unsichtbar bleibende Dogé steht, sondern die Menge, das phantasiebegabte Volk von Venedig. Für den Román Der Dogé erhielt Palazzeschi 1967 den Premio Gabriele D'Annunzio. Zum Autor Aldo Palazzeschi wurde 1885 in Florenz geboren und starb 1974 in Rom. Zunáchst unter dem EinfluB des Futurismus stehend, distanzierte er sich spáter von dieser Avantgarde-Bewegung, blieb aber in seiner strikten Ablehnung der Bürgerlichkeit, ihrer Konventionen und Vorurteile weiterhin vom literarischen Vorleben geprágt. Neben vielen Gedichten sind es vor allém seine Romane, die ihn zu einem Klassiker der modernen italienischen Literatur machten.