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Zu diesem Buch
»Das Bewußtsein spiegelt sich im Wort wie die Sonne in einem Wassertropfen Das sinnvolle Wort ist der Mikrokosmos des Bewußtseins.«
Wygotski
Das Verhältnis von Bewußtsein und Wort, von Mensch und Sprache ist ein altes und ein neues Problem zugleich. Das Wort als Sein, das Wort als Zugang zum Sein, das Wort als Verzerrung des Seins - das sind Themen der alten Metaphysik wie der modernen Erkenntnistheorie. Die Rolle der Sprache im Ursprung von Gesellsdiaft und Kultur, die Funktion der Sprache in der Menschwerdung eines instinktarmen, prägbaren Organismus - das sind Grundfragen der Soziologie, Ethnologie und philosophischen Anthropologie. Mit seinen originellen und brillanten Thesen kommt Wygotski der Beantwortung dieser Fragen um einen großen Schritt näher, und sein Werk hat deshalb weit über die Grenzen der Sprachpsychologie hinaus Bedeutung. Als Denken und Sprechen 1934 zum ersten Mal in Moskau erschien, war sein Autor kurz zuvor, erst 3 8jährig, gestorben. Teile des Manuskriptes hatte er bereits im Schatten des Todes niedergeschrieben; der fragmentarische Charakter und mandie Unebenheit des Werkes sind auf die Bedrängnis seiner Entstehung zurückzuführen. Kurz nach seinem Erscheinen entzog man dem Buch in der UdSSR, noch ehe es im Westen zur Kenntnis genommen werden konnte, für mehr als zwanzig Jahre die offizielle Approbation. Die eindringliche Simplizität des Pawlowschen Reiz-Reaktions-Schemas erhielt hier den Stempel ideologischer Korrektheit und beeinflußte zugleich während einer ganzen Generation die Entwicklung der internationalen Psychologie. Den differenzierten, für die wissenschaftliche Erschließung der verwickelten Strukturen von Denken und Sprechen weitaus besser geeigneten Ge-